Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

III
Die jüngste Entwicklung hat die Grenzen der Möglichkeit
einer Vollbeschäftigungspolitik „im Alleingang" aufgezeigt.
Sieben Jahre lang - von 1975 bis 1981 - ist es gelungen, in
Österreich Vollbeschäftigung zu erhalten, während gleichzei¬
tig das Niveau der Arbeitslosigkeit im OECD-Raum von 15
auf über 28 Millionen 1981 gestiegen ist. Die Hoffnungen, daß
die internationale Wachstumsabschwächung sich als vor¬
übergehend erweisen werde, sind in zunehmendem Maße
enttäuscht worden. Momentan deuten auf internationaler
Ebene mehr Anzeichen auf eine weitere Abflachung des
mittelfristigen Wachstumstrends hin als auf eine Beschleuni¬
gung. In einer solchen Situation gibt es für ein Land wie
Österreich nicht die Möglichkeit einer weitgehenden
Abkopplung. Einigermaßen berechtigte Aussichten bestehen
auf ein wie in der Vergangenheit etwas über dem internatio¬
nalen Durchschnitt liegendes Wirtschaftswachstum in Öster¬
reich. Jedoch ist ein kleines Land nicht in der Lage -
wahrscheinlich auch ein großes nicht aus autonomen
Kräften sein Wachstum so weit zu steigern, daß die Beschäfti¬
gung in ähnlichem Maße zunimmt, wie in Österreich von 1975
bis 1981. Im Bereich der Arbeitszeit besteht wohl ein gewisser
autonomer Spielraum, der aber derzeit nicht ausreichen
dürfte, um negative Auswirkungen der internationalen Wirt¬
schaftsentwicklung auf die Beschäftigung voll abzufangen.
Dies bedeutet allerdings keineswegs, daß auf lange Sicht
alle beschäftigungspolitischen Bemühungen vergeblich sind,
wie manche resignative Stimmen glauben machen wollen.
Diese propagieren als neue Strategie eine „angebotsorien¬
tierte" Wirtschaftspolitik, die kurzfristig gewisse Opfer erfor¬
dert, aber längerfristig angeblich die einzige Möglichkeit
darstellen soll, die Schwierigkeiten zu überwinden: Abbau
der öffentlichen Defizite, Senkung der Steuerbelastung, Stär¬
kung der Ertragskraft der Unternehmungen, „Gürtel enger
schnallen" im Konsum und dergleichen mehr sind die inzwi¬
schen schon „erprobten" Hauptkomponenten einer solchen
Politik.
Die Erfahrungen jener Länder, deren Regierungen auf
diese Konzepte vertrauten, liefern die stärksten Argumente
gegen einen derartigen Kurswechsel. Darauf und auf die
innere Konsistenz solcher „Alternativstrategien" soll in
diesem Editorial nicht näher eingegangen werden". Kaum
leugnen läßt sich, daß trotz des Fehlschlagens der „Bilder¬
buchexperimente" in Großbritannien und in den USA auch
in vielen anderen Ländern die Regierungen zumindest zuneh¬
mend Geschmack an einer „angebotsorientierten" Politik
finden. Dies ist kaum einer wachsenden Überzeugungskraft
        

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