Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

der Argumente zuzuschreiben, sondern dürfte damit zusam¬
menhängen, daß die Arbeitsmarktentwicklung in vielen Staa¬
ten in den letzten Jahren sich drastisch verschlechtert hat.
Dies gilt nicht nur für Großbritannien und USA, die Länder
mit monetaristischer Wirtschaftspolitik, sondern z. B. auch
für Frankreich, die Niederlande und sogar die Bundesrepu¬
blik Deutschland.
Wenn die konventionellen konjunkturpolitischen Mittel
sich als unzureichend erweisen und die Arbeitslosenrate
anscheinend unaufhaltsam 6, 7, 8 Prozent oder gar höhere
Schwellen übersteigt, schwindet die Aussicht, „Vollbeschäfti¬
gung" - das heißt bei reduzierten Ansprüchen vielleicht 3 bis
4 Prozent Arbeitslose - in absehbarer Zeit wieder zu errei¬
chen. In einer solchen Situation ist das Umschwenken von
früher vollbeschäftigungsorientierten Ländern auf eine
„angebotsorientierte" Strategie psychologisch und politisch
zumindest verständlich (wenngleich damit nicht auch schon
gerechtfertigt), verschleiert sie doch das Eingeständnis der
Resignation, der Aufgabe früherer Ansprüche.
In Österreich sind wir von einer solchen Lage einigerma¬
ßen weit entfernt. Dies ist sicherlich kein hinreichender, aber
ein wichtiger Grund dafür, ein möglichst hohes Beschäfti¬
gungsniveau mit allen verfügbaren Mitteln zu verteidigen.
Bei 7 oder 8 Prozent Arbeitslosigkeit mag es politisch wenig
lohnend erscheinen, mit großem Kraftaufwand ein Beschäfti¬
gungsprogramm auf die Beine zu stellen, das die Arbeitslo¬
senrate um XA oder lA Prozent senkt. Bei 3 Prozent Arbeitslo¬
sigkeit hingegen steht es auch politisch dafür, um jedes
Zehntel Beschäftigte mehr mit großem Einsatz zu kämpfen.
Und wenn wir dies auch in Zukunft tun, dann haben wir
berechtigte Aussicht, die Arbeitslosigkeit weiterhin in Gren¬
zen zu halten.
Dies wird kurzfristig höhere Anstrengungen erfordern als
man noch vor wenigen Monaten geglaubt hat, als noch
allgemein mit einem früheren Einsetzen des Konjunkturauf¬
schwunges gerechnet wurde. Das im Jänner beschlossene
Konjunkturprogramm der Bundesregierung geht noch von
dieser Perspektive aus, doch deutet gegenwärtig wenig dar¬
auf hin, daß die beschlossene Vorziehung von Ausgaben ins
erste Halbjahr zur Konjunkturstützung ausreicht. Die Frei¬
gabe des Konjunkturausgleichsbudgets von insgesamt mehr
als 5 Mrd. Schilling wird nach jetzigem Ermessen unumgäng¬
lich sein. Eine derartige Konjunkturspritze verhindert
Arbeitslosigkeit im Ausmaß von ca. 18.000. Eine Zunahme
der Arbeitslosigkeit in diesem Ausmaß würde das Budget
allein aus dem Titel der Arbeitslosenversicherung mit zusätz¬
lich etwa 1,5 Mrd. Schilling belasten. Ferner wäre zu überprü¬
fen, ob nicht auch von seiten der Währungspolitik gewisse
        

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