Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

spricht daher auch einer unterdurchschnittlichen Arbeitsplatzsicher¬ heit für Frauen. Die Arbeitslosigkeit unter weiblichen Arbeitern lag 1980 bei über 3,5 Prozent, bei den männlichen Arbeitern dagegen knapp über 2,4 Prozent. Für die Angestellten zeigen die geschlechtsspezifi¬ schen Arbeitslosenraten noch deutlichere relative Unterschiede: Män¬ ner: 0,6 Prozent, Frauen: 1,5 Prozent. Die erhöhte Gefahr von Arbeitslo¬ sigkeit betrifft nicht nur Frauen mit geringer formaler Ausbildung, auch bei höherem Qualifikationsniveau müssen Frauen eher als Männer mit Arbeitslosigkeit rechnen. Dies zeigen die Daten aus dem Mikrozensus. So waren 1978 in der Altersgruppe 20 bis 24 Jahre 3,5 Prozent der Frauen mit Lehrausbildung arbeitslos, aber nur 1,8 Prozent der Männer. In denselben Jahrgängen erreichte die Arbeitslosigkeit unter weibli¬ chen Absolventen von Hochschulkursen sogar 10 Prozent, während nahezu alle männlichen Absolventen einen Arbeitsplatz fanden8. 2.6 Kollektivvertragliche Diskriminierung Nicht nur besitzen Frauen faktisch schlechtere Startchancen und geringere Aufstiegsmöglichkeiten, sie sehen sich selbst kollektivver¬ traglicher Diskriminierung ausgesetzt. Eine Untersuchung von über 300 Kollektivverträgen des Jahres 1978 zeigte, daß rund 20 Prozent dieser Verträge nominell gleiche Tätigkeit unterschiedlich bewerten. In einem Zehntel der Fälle erfuhren Frauen und Männer eine unterschied¬ liche Behandlung bei Zulagen und Begünstigungen. Jeder zwanzigste Kollektivvertrag stellte bei der Anrechnung von Dienstzeiten (etwa für Vorrückungen) auf das Geschlecht der Arbeitnehmer ab9. Seit der Inkraftsetzung des Gleichbehandlungsgesetzes wurde eine Reihe von diskriminierenden Bestimmungen in den Kollektivverträgen beseitigt. Eine völlige Gleichstellung von Frauen und Männern konnte aber noch nicht erreicht werden. Eine Überprüfung der untersuchten Kollektivverträge im Jahre 1980 (Stand September 1980) ergab, daß noch immer rund 5 Prozent der Kollektivverträge für nominell gleiche Tätigkeiten eine niedrigere Lohnstufe für Frauen vorsehen, 5 Prozent wiesen unterschiedliche Bestimmungen bei Zulagen, Beihilfen oder Abfertigungen auf und 3 Prozent der Kollektivverträge stellten bei der Anrechnung von Dienstzeiten auf das Geschlecht ab. Alle sechs Faktoren (Ausbildungsnachteile, Laufbahnbeschränkun¬ gen, unqualifizierte Tätigkeitsbereiche, Konzentration in Niedriglohn¬ branchen, unterdurchschnittliche Arbeitsplatzsicherheit und kollektiv- vertragliche Diskriminierung) tragen zu einer Erklärung für die empi¬ risch belegte 50-Prozent-Regel bei. Die beiden folgenden Abschnitte dokumentieren die quantitativen Auswirkungen dieser Benachteili¬ gung weiblicher Erwerbstätiger etwas detaillierter. 86

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