Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

ten Personals gestatten; es fehlt eine vielstufige Hierarchie in der
Arbeitsorganisation.
Die angeführten Entlohnungsunterschiede beruhen auf den Daten
der Lohnsteuerstatistik. Sie sind weder um Qualifikation, Arbeitszeit
oder andere lohnbestimmende Faktoren bereinigt. Die Daten bezeugen
daher eher die bereits skizzierte gesamtwirtschaftliche Benachteiligung
als die besondere arbeitsplatzgebundene Diskriminierung der berufstä¬
tigen Frau. Auf die Diskriminierung im engeren Sinn geht der nächste
Abschnitt über Stundenlohndifferentiale in der Industrie ein. Diese
konnten allerdings nur für jene Branchen erhoben werden, in denen der
Kollektivvertrag für eine nominell gleichwertige Tätigkeit eine unter¬
schiedliche Lohngruppe für Männer und Frauen vorsieht, da in den
Industrielohnerhebungen die Lohnsätze nach den kollektivvertragli¬
chen Lohngruppen erhoben werden11.
3.2 LohnsatzdiskriminiJrung in der Industrie
Die reine geschlechtsspezifische Diskriminierung der Frau tritt
besonders irrjenen Branchen deutlich hervor, in denen Frauen bei
gleicher Qualifikation weniger Stundenlohn erhalten.
In der Nahrungs- und Genußmittelindustrie arbeiteten 1976 rund
10 Prozent aller in der Industrie beschäftigten Frauen; sie stellten über
58 Prozent der ungelernten Arbeiter in dieser Branche. Diese weibli¬
chen ungelernten Arbeiter mußten sich vielfach mit einem deutlich
niedrigeren Stundenlohn als ihre männlichen Kollegen zufriedengeben.
Im Süßwarenbereich erhielten Männer durchschnittlich einen um
15 Prozent höheren Stundenlohn; in der Teigwarenindustrie betrug die
Differenz über 19 Prozent; in der Milch- und Käseindustrie über 22 Pro¬
zent; in der Obst- und Gemüseverwertung über 10 Prozent.
Ähnliche geschlechtsspezifische Istlohnunterschiede für ungelernte
Arbeiter treten auch in anderen Industriezweigen auf. In der Holzverar¬
beitenden Industrie bestanden 1976 Differenzen bis zu 15 Prozent, in der
Glasindustrie bis zu 22 Prozent, in der Bekleidungsindustrie (Knopfin¬
dustrie) sogar bis zu 34 Prozent.
Trotz zunehmender Qualifikation bleibt ein markanter Stundenlohn¬
unterschied zwischen männlichen und weiblichen Arbeitern sichtbar:
Vorarbeiter (angelernte Arbeiter) erhielten 1976 in der Nahrungs- und
Genußmittelindustrie bis zu 36 Prozent mehr Stundenlohn als ihre
weiblichen Kollegen; in der Obst- und Gemüseverwertung 24 Prozent,
in der Papierverarbeitung bis zu 50 Prozent.
Die angeführten durchschnittlichen Istlöhne beruhen auf zwei einan¬
der überlagernden Diskriminierungseffekten. Nicht nur sahen die Kol¬
lektivverträge eine schlechtere Bezahlung der Frau für sachlich gleich¬
wertig eingestufte Arbeit vor; die Unternehmer verschärften durch ihre
Überzahlung der Kollektivvertragslöhne meist noch die geschlechts¬
spezifischen Entlohnungsunterschiede.
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