Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

denen 90 Prozent weniger als das Existenzminimum erhielten). In
dieser weiten historischen Sicht ist es zweifellos zu einer Verringerung
geschlechtsspezifischer Lohnunterschiede gekommen.
Für einen kürzeren Zeithorizont von rund einem Vierteljahrhundert
ist dagegen kein so eindeutiger Trend feststellbar: Diese Periode ist
durch eine relativ stabile 50 Prozent-Relation gekennzeichnet.
4.1 Die Umverteilung zwischen Arbeitsplätzenführt zu keiner
systematischen Besserstellung der Frauen
In den letzten 25 Jahren nahm die Erwerbsbeteiligung der Frauen um
rund 10 Prozent-Punkte zu. Im gleichen Zeitraum unterlagen sowohl
die Branchenzusammensetzung der österreichischen Wirtschaft wie die
Qualifikationsstruktur weiblicher Arbeitskräfte einem deutlichen Wan¬
del. Beide Entwicklungen bewirkten eine Umverteilung weiblicher
Erwerbstätiger zwischen verschiedenen Wirtschaftszweigen und zwi¬
schen den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern innerhalb der österrei¬
chischen Betriebe. Nicht immer war diese Umverteilung für die Frauen
von Vorteil. Beispielsweise bewirkte das Schrumpfen der Textilindu¬
strie im Zeitraum 1970-78 eine Verschlechterung für die weiblichen
Arbeitskräfte relativ zu ihren männlichen Kollegen. Im Jahr 1978
arbeiteten zwar nur mehr 13 Prozent der in der Industrie beschäftigten
Frauen im Textilbereich (gegenüber 19 Prozent im Jahr 1970), doch ging
dieser Anteilsrückgang vor allem zu Lasten der besserbezahlten Posi¬
tionen. Der Frauenanteil nahm unter den Angestellten um 2,1 Prozent,
unter den Facharbeitern um rund 4 Prozent und unter den angelernten
Arbeitern um 3,5 Prozent ab. Hingegen nahm er unter den ungelernten
Arbeitern um 5,9 Prozent zu.
Neben der Textilindustrie (13 Prozent) nehmen zwei weitere Bran¬
chen ein großes Kontingent weiblicher Arbeitskräfte auf: die Beklei¬
dungsindustrie (14 Prozent aller in der Industrie beschäftigten Frauen)
und die Elektrobranche (15 Prozent). In diesen beiden Industrien zeigt
sich kein so eindeutiger Trend; weder erfuhren weibliche Arbeitskräfte
eine so deutliche Verschlechterung wie im Textilbereich, noch besserte
sich ihre relative Position im Zeitraum 1970-78. In der Bekleidungsin¬
dustrie nahm der Frauenanteil (1978: 62 Prozent) unter den Angestellten
ab (- 3 Prozent), hingegen bei den Facharbeitern (+ 4 Prozent), den
angelernten (+ 2 Prozent) und ungelernten Arbeitern (+ 0,5 Prozent) zu.
Trotz zunehmender Bedeutung der Elektroindustrie für die Frauenbe¬
schäftigung (Anteil an der industriellen Frauenbeschäftigung: 15 Pro¬
zent) ging der Frauenanteil in zwei Beschäftigungskategorien (unge¬
lernte Arbeiter und Angestellte) zurück; unter den Facharbeitern wuchs
die Frauenquote: von 0,6 Prozent auf 1,4 Prozent.
Das Beispiel der drei für die Frauenbeschäftigung wichtigsten Indu¬
striebranchen (zusammen mehr als 40 Prozent aller weiblichen Arbeits¬
kräfte in der Industrie) zeigt folgendes: Es besteht kein direkter
Zusammenhang zwischen der Verbesserung (oder Verschlechterung)
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