Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

geschlechtsspezifischen Entlohnungsunterschiede. Auch der statistisch
robustere Median zeigt als Maßzahl für das mittlere Einkommen eine
bemerkenswerte Starrheit im Abstand der Frauen- gegenüber den
Männereinkommen.
Die Konstanz geschlechtsspezifischer Unterschiede gilt indes nicht
für alle Berufsgruppen gleichermaßen. Bei den Angestellten und öffent¬
lich Bediensteten (ohne pragmatisierte Beamte) nahm die Differenz
sogar zu. Der Vorsprung der mittleren männlichen Entlohnung wuchs
von 34 Prozent (1953) auf 56 Prozent (1957), 65 Prozent (1976) und
schließlich 68 Prozent (1980). Bei den Arbeitern dagegen blieb der
Entlohnungsunterschied im Median von durchschnittlich 60 Prozent
über die gesamte Periode erhalten.
Die einheitliche gesamtwirtschaftliche Entwicklung setzt sich aus
verschiedenartigen Einzeltrends zusammen. Das dokumentieren die
Verschiebungen geschlechtsspezifischer Lohndifferenzen in den einzel¬
nenWirtschaftsbereichen. Die Lohnsteuerstatistiken über die Zwölfjah-
resperiode 1964-1976 zeigen folgendes Bild. In jenem Wirtschaftsbe¬
reich, der 1964 das höchste durchschnittliche Einkommen pro ganzjäh¬
rig Beschäftigten aufwies, war auch die geschlechtsspezifische Diffe¬
renz am größten: Im Geld-, Kredit- und Privatversicherungsbereich
verdienten Männer 1964 um 83 Prozent mehr als Frauen; zwölf Jahre
später betrug der Unterschied noch immer 78 Prozent. Dabei stellten
Frauen fast die Hälfte (47 Prozent) aller Arbeitskräfte in dieser Branche.
Der geringste Unterschied bestand 1964 im Wirtschaftsbereich
„Gebietskörperschaften und Sozialversicherungen, Unterrichts- und
Forschungswesen"; diese Differenz von 23 Prozent hat sich in der
Zwölfjahresperiode mehr als verdoppelt; sie betrug 48 Prozent im Jahre
1976. Nach einer starken Zunahme im Verlauf der sechziger und
beginnenden siebziger Jahre, erfolgte wiederum ein leichter Rückgang:
23 Prozent (1964), 41 Prozent (1967), 54 Prozent (1970), 57 Prozent (1973),
48 Prozent (1976).
Relativ konstant blieb der geschlechtsspezifische Abstand in der
Chemischen Industrie (rund 70 Prozent), im Textil- und Bekleidungsbe¬
reich (rund 75 Prozent), im Handel und im Geld-, Kredit- und Versiche¬
rungswesen (rund 80 Prozent). In der elektrotechnischen Industrie kam
es zu einem leichten Rückgang (1964: 56 Prozent; 1976: 49 Prozent),
während die Land- und Forstwirtschaft (1964: 75 Prozent, 1967: 66 Pro¬
zent, 1970: 73 Prozent, 1973: 65 Prozent, 1976: 80 Prozent) zyklischen
Schwankungen unterlag14.
4.3 Nur die Lohndiskriminierung i. e. S. nimmt ab
Was die Entlohnung betrifft, so haben Frauen ihren Rückstand
gegenüber Männern nicht aufholen können; einzig die Lohndiskrimi¬
nierung im engeren Sinn nahm in den vergangenen 10 Jahren deutlich
ab. Dazu hat auch das 1979 verabschiedete Bundesgesetz über die
Gleichbehandlung von Mann und Frau, das jede benachteiligende,
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