Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1982 Heft 1 (1)

sachlich nicht fundierte Lohndifferenzierung zwischen den Geschlech¬
tern verbietet, beigetragen. Diese Vermutung legen zumindest die
Daten der Industrielohnerhebung nahe15.
Deutliche Erfolge sind etwa bei den ungelernten Arbeitern (über
18 Jahre) in der Lederwarenindustrie zu verzeichnen. Verdienten Män¬
ner 1970 um 23 Prozent mehr, so erzielten 1979 Männer und Frauen den
gleichen Stundenlohn (S 37,90). Eine ähnliche Entwicklung trat in der
Holzverarbeitenden Industrie ein; die geschlechtsspezifische Lohndif¬
ferenz (1970: 16,5 Prozent) war für ungelernte Arbeit bei einem Stunden¬
lohn von S 45,40 eingeebnet. In gleicher Richtung tendierten Stunden¬
löhne für Maschinwäscher in „Industriellen Wäschereien, Chemische
Putzereien und Kleiderfärbereien" 1970: 9,5 Prozent, 1979: 0 Prozent
(Stundenlohn S 46,50). Ein entsprechender Abbau von Lohndiskrimi¬
nierung läßt sich auch für andere Industriezweige erkennen.
Allerdings ist dieser Prozeß keineswegs abgeschlossen. Noch immer
erhalten Frauen bei gleicher Qualifikation geringeren Lohn. So verdien¬
ten 1979 Frauen als angelernte Arbeiterinnen in den Brauereien oder
etwa als ungelernte Arbeiterinnen in der Glasindustrie einen um
12,7 bzw. 18,4 Prozent niedrigeren Stundenlohn als ihre männlichen
Kollegen, obwohl der Kollektivvertrag die gleiche Entlohnung für beide
Geschlechter vorsieht.
5. Schlußbetrachtungen
Die geringeren Einkommenschancen weiblicher Erwerbstätiger spie¬
geln den sozialen und wirtschaftlichen Status der Frau wider. Aufgrund
ihrer schlechteren Ausbildung, ihrer geringeren räumlichen Mobilität
und zahlreicher Vorurteile über den Wert weiblicher Arbeitskraft sind
Frauen gezwungen, zu ungünstigeren Bedingungen als ihre männlichen
Kollegen zu arbeiten. Die ökonomische Zurückstellung begleitet die
weiblichen Erwerbstätigen ihr ganzes Arbeitsleben. Das zeigen Daten
des österreichischen Mikrozensus aus dem Anfang der siebziger Jahre.
Der Einkommenszuwachs während der Berufslaufbahn fällt bei Frauen
wesentlich bescheidener aus als bei Männern: während männliche
Arbeiter schon mit 26 Jahren zu 30 Prozent das mittlere Referenzein¬
kommen (genau: den 6. Dezil) überschritten hatten, ereichten von den
weiblichen Arbeitern überhaupt nur 2 Prozent diese Grenze. In jeder
Altersklasse erreichte ein größerer Anteil von Männern mit Volksschul¬
abschluß das Referenzeinkommen als dies bei Frauen mit abgeschlos¬
sener Hauptschule der Fall ist. Das gleiche galt eine Bildungsstufe
höher. Männer mit Hauptschulabschluß besaßen in jeder Altersklasse
eine größere Chance das Referenzeinkommen (= 6. Dezil) zu über¬
schreiten, als Maturantinnen. Oder anders ausgedrückt: Das durch¬
schnittliche Alters-Einkommenprofil von Maturantinnen verläuft fla¬
cher als das von männlichen Hauptschülern16.
Die Berücksichtigung dieser lebenslangen Benachteiligung von
weiblichen Arbeitskräften legt nahe, daß wirtschaftliche Mechanismen
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