Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

schaftspolitische Ziele konnten ohne großen Einsatz erreicht werden.
Dies zumindest bis Anfang der siebziger Jahre. Mit dem Zusammen¬
bruch des Bretton Woods-Systems und vor allem dem Erdölschock des
Jahres 1973 hatten sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen
grundsätzlich verändert. Seither gibt es eine internationale Wachstums¬
schwäche bei Stagflation und den Ruf nach Wachstums- und Stabilisie¬
rungspolitik. Seither erweist sich die Wirtschaftspolitik als ohnmächtig,
Antworten auf diese wichtigen wirtschaftlichen Fragen zu finden.
Seither rächten sich die scheinbar mühelos errungenen Erfolge früherer
Jahre und an die Stelle des Glaubens an die Machbarkeit ist der
Eindruck der Ohnmacht getreten.
Das Geschehen seit Anfang der siebziger Jahre kann als bekannt
vorausgesetzt werden. Mit der sprunghaften und in ihrer Dimension
irreversiblen Verteuerung des Erdöls wurde ein Strukturschock ausge¬
löst, den die Industriegesellschaften bis zum heutigen Tag nicht ver¬
kraften konnten. Der Schlag traf an drei strategisch wichtigen Punkten:
zum ersten wurde eine Nachfragelücke aufgerissen. Zum zweiten
wurde der Preisauftrieb enorm angekurbelt und zum dritten wurde ein
Großteil der bisher angewendeten Technologie absolet. Ordnung und
Grundlagen der Weltwirtschaft hatten sich seit Beginn der siebziger
Jahre dramatisch verändert: Schwankende Wechselkurse und in ihrer
Konsequenz-Hochzinskonkurrenz schufen eine Situation enormer wäh¬
rungspolitischer Unsicherheit. An die Stelle kaufkräftigen Wiederauf¬
bau- und Nachholbedarfs sind Nachfragelücken getreten. Vor allem
aber sind die ursprünglichen kriegswirtschaftlich initiierten Technolo¬
gien weitestgehend obsolet geworden.
Sieht man jedoch das Wachstumswunder der 25 Nachkriegsjahre,
abgesehen von der Ausgangsposition nicht als ablauf- sondern ord¬
nungspolitisch Grundstein gelegt, so wird die bisher eingetretene
Wachstumsschwäche eher verständlich. So wenig aber das vorherge¬
hende Wunder ohne Ordnungspolitik denkbar gewesen wäre, so wenig
können ablaufpolitische Maßnahmen allein zur Gesundung der Welt¬
wirtschaft führen. Die eher kläglichen Resultate derartiger nationaler
Versuche sprechen eine deutliche Sprache.
Da gab es zunächst den Versuch eines nachfragepolitischen Gegen-
steuerns, um dem durch den Erdölschock bedingten Nachfrageausfall
zu begegnen. Doch nur wenige Staaten konnten sich dazu entschließen.
Das Resultat: Sich ausbreitende Arbeitslosigkeit, mit heute ebenso
hohen Budgetdefiziten jener Staaten, die zur Vermeidung gerade dieses
Effekts auf Vollbeschäftigungspolitik verzichteten.
Auch gab es den Versuch, einkommenspolitisch den zusätzlichen
Preisauftrieb in Grenzen zu halten. Auch dazu waren nur wenige
Staaten in der Lage. Resultat: sich ausbreitende Inflation.
Schließlich gab es den Versuch, mit tight money policy der Inflation
zu begegnen. Fast alle Staaten mußten wohl oder übel mitmachen.
Resultat: die cost pusch-Elemente der Inflation blieben im wesentli¬
chen unverändert, die wirtschaftliche Aktivität sinkt und die Arbeitslo¬
sigkeit steigt.
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