Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

Vor allem die neu entstandenen Vorsprungs- und Nachhinkeeffekte
verdienen Erwähnung. Während Staaten mit weniger Arbeitslosigkeit
und Inflation zunächst in Hartwährungsposition gerieten, kam es zu
einer merklichen Passivierung der Leistungsbilanz und zu einem
dementsprechend über ihre Grenzen hinausgehenden spread effect
ihrer nachfragestützenden Maßnahmen. In weiterer Folge wurden sie
von der Sogwirkung ausländischer Hochzinsen erfaßt und mit der
Infektion durch ausländische Stagflation auch von dieser Seite kon¬
frontiert.
Die Ohnmacht der Wirtschaftspolitik und die Ratlosigkeit ihrer
Ratgeber kommt erstmals im Economic Outlook der OECD aus Dezem¬
ber 1981 zum Ausdruck, wo die möglichen Auswirkungen einer Politik
des knappen Geldes diskutiert werden und die zueinander in Konfron¬
tation stehenden Schulen des Keynesianismus undMonetarismus zitiert
werden. Beide Gedankenschulen sind im Bereich der Ablaufpolitik
angesiedelt. Ohne die Relevanz insbesondere der „Neuen Nationalöko¬
nomie" in Frage zu stellen, soll und muß man sich der Grenzen der
Einsatzmöglichkeit und Effektivität ablaufpolitischer Maßnahmen
bewußt sein.
Wichtigste aller Grenzen ablaufpolitischer Maßnahmen ist die Staats¬
grenze. Bei Volkswirtschaften mit hoher Außenhandelsabhängigkeit
können nachfragestärkende nationale Maßnahmen zu einem weitge¬
henden Verpuffen der Belebungswirkung ins Ausland führen. Zur
Erreichung eines gegebenen Belebungseffektes wird daher ein wesent¬
lich höherer Mitteleinsatz erforderlich. Betreiben nachfragepolitisch
abstinente Außenhandelspartner noch dazu Hochzinspolitik, wird die
Last für den kreditfinanzierten Expansionskurs zusätzlich erschwert.
Mangels internationaler Konzertierung ablaufpolitischer Maßnahmen
scheint es mit anderen Worten eine Tendenz zur Prämierung eines auf
Passivität angelegten nationalen Verhaltens zu geben, wobei expansive
Nachfragepolitik nicht, tight money policy hingegen schon zum inter¬
nationalen Gleichschritt zwingt.
Ablaufpolitik vom Typ der Nachfrage- oder Geldmengensteuerung
stößt auch national an Grenzen, wo längerfristigen Entwicklungen im
Sinne von Trends entgegengewirkt werden soll. Hier liegt auch die
Grenze einer Strategie des „Durchtauchens" oder Überbrückens. Wenn
kein Ende eines Wellentales abzusehen ist, birgt die Technik des
Durchtauchens eine große Gefahr: Wer sich ihrer bedient, aber in eine
lange Welle gerät, läuft Gefahr niemals mehr an der Oberfläche Luft
schnappen zu können. Kompensatorische Nachfragestützung stößt
jedenfalls früher oder später an die Schranken gesellschaftlicher Akzep¬
tanz und zwar im Falle der Finanzierung im Kreditweg auf die mehr
oder minder willkürlichen Kriterien unterworfene internationale Beur¬
teilung der Kreditwürdigkeit, im Falle einer Finanzierung über Steuer¬
erhöhungen auf von Land zu Land unterschiedliche dennoch aber
existente psychologische Belastungstendenzen.
Für die Geldmengenpolitik gilt noch mehr als für die Nachfragepoli¬
tik, daß ihr preisdämpfender Einfluß ein eher indirekter ist und nur
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