Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

heißt. Planung im hier verwendeten Wortsinn erfordert einmal den
Anspruch des Staates, den Wirtschaftsablauf entsprechend den im
voraus für einen bestimmten Zeitraum festgelegten Zielen zu gestalten;
darüber hinaus „die strategische Anwendung von Instrumenten der
Wirtschafts- und Sozialpolitik durch die Regierung im Zusammenwir¬
ken mit wirtschaftlichen und sozialen Verbänden, um die explizit
formulierten quantitativen und/oder qualitativen Ziele kurz-, mittel-
und langfristig zu erreichen2."
Diese Gestaltung kann naturgemäß keine beliebige sein, sondern ist
nur in jenen relativ engen Grenzen möglich, innerhalb deren bei
gegebenen Ressourcen, Verhaltensparametern, überhaupt „Umwelt"-
Parametern des Subsystems Wirtschaft, disponiert werden kann. Derar¬
tige Grenzen sind auch in einem zentralgeplanten System gesetzt, in
einem marktwirtschaftlichen System kommen spontane Dynamik und
Beharrungsvermögen hinzu3. Letztere legen nahe, daß Planung in
marktwirtschaftlichen Systemen einen mehrjährigen Zeithorizont
haben muß, da innerhalb eines einzigen Jahres wohl kaum ein gestal¬
tender Einfluß auf den Ablauf ausgeübt werden kann.
Diese eher skizzenhaften Umschreibungen des Begriffs sind weit
entfernt davon, ein Optimum definitorischer Präzision darzustellen.
Wie leicht zu zeigen wäre, führen Formalkriterien nicht sehr weit4.
Anderseits sind wir heute nicht mehr in der Position Karl Mannheims,
der Planung als „Akt des Umbaus einer historisch gewordenen und auf
uns gekommenen Gesellschaft in eine immer vollkommener durch den
Menschen von zentralen Stellen aus regulierte Einheit"5 verstand. Zu
sehr haben sich die sozialphilosophischen Perspektiven verschoben,
seit dies geschrieben wurde.
Für eine makroökonomische Planung ist zunächst erforderlich, daß
ein relativ aufwendiger „logistischer" Apparat in Bewegung gesetzt
wird, der das analytische und empirische Grundlagenwissen bereit¬
stellt. Es müssen
(i) die unendliche Vielzahl der denkbaren Variablen auf ein Maß
reduziert werden, das analytisch und empirisch handhabbar ist;
(ii) die Variablen quantifiziert werden;
(iii) die geeigneten Kausalbeziehungen zwischen den Variablen ermit¬
telt werden;
(iv) Festlegungen getroffen werden, welche die Ziel- und welche die
Instrumentenvariablen sind (sein sollen);
(v) die Zielvariablen quantitativ spezifiziert werden;
(vi) die Planungsperiode festgelegt werden.
Im konventionellen, bis vor kurzem nahezu allgemein akzeptierten
Denkschema des magischen Vielecks gelten Wirtschaftswachstum und
Realeinkommen, Beschäftigung sowie - wenngleich weit weniger
unumstritten - „gerechte" Einkommensverteilung als hauptsächliche
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