Full text: Expansion, Stagnation und Demokratie - 1982 Heft 2 (2)

Zielvariable, die unter gewissen einschränkenden Randbedingungen6
mittelfristig zu maximieren sind. Preisstabilität und das außenwirt¬
schaftliche Gleichgewicht sind nicht in demselben Sinne eigenberech¬
tigte Ziele der Politik, sondern bestenfalls „Zwischenziele", d. h. wich¬
tige Gleichgewichtsbedingungen, die eingehalten werden müssen,
wenn ein bestimmter Wachstumspfad erreicht werden soll.
Eine solche Zielvorgabe reduziert die Qual der Wahl bei den Instru¬
mentvariablen erheblich. Für das mittelfristige wirtschaftliche Wachs¬
tum sind Investitionsquote und Struktur der Investitionen die wichtig¬
ste Determinante. Für die kurzfristige Stabilität (monetäre Stabilität,
Preisstabilität) ist bei gegebenem Produktivitätswachstum die Rate des
Nominallohnwachstums entscheidend. Im Begriffsschema einer heute
gebräuchlichen Unterscheidung ausgedrückt: im Rahmen einer
makroökonomischen Planung wird das Mengensystem durch die Inve¬
stitionspolitik und das Preissystem durch die Einkommenspolitik
reguliert.
Der unterschiedlichen Prozeßlogik, der die beiden Sphären gehor¬
chen, entsprechen zwei verschiedene Typen von Regulierungsmecha¬
nismen: in der Investitionspolitik dominiert der Typus der „technokra¬
tischen Planung", in der Einkommenspolitik der Typus der „korporati-
stischen Planung"7.
Die Investitionspolitik baut auf einer mittelfristigen sektoralen Per¬
spektive auf, in der angebots- und nachfrageseitige Bestimmungsfakto¬
ren prognostiziert werden müssen. Eine solche Perspektive bildet dann
die Grundlage für die Ermittlung der im Hinblick auf Wachstum
(bzw. Beschäftigung) „optimalen" Investitionsstruktur. Durch geeig¬
nete Instrumente, vor allem Incentives, Koordinierung der Investitions¬
tätigkeit der öffentlichen Hand etc. wird dann die Investitionstätigkeit
der verschiedenen Wirtschaftsbereiche den Zielvorgaben entsprechend
beeinflußt. Manche der involvierten Entscheidungsprozesse enthalten
zweifellos politische Festlegungen und auch nennenswerte „bargai-
ning"-Elemente, doch ist die Aufgabenstellung im wesentlichen eine
bürokratisch-wissenschaftliche.
Anders ist die Situation im Bereich der Einkommenspolitik. Eine
makroökonomische Planung in diesem Bereich muß einen institutio¬
nellen Rahmen für Verhandlungen zwischen Gewerkschaften, Unter¬
nehmen, dem Staat und den kleineren Berufsgruppen bieten, in dem
die verschiedenen Ansprüche koordiniert und mit dem quantitativ
festzulegenden Stabilitätsziel in Einklang gebracht werden8. „Techno¬
kratisch" bestimmte Inputs wie z. B. die erwartete Rate der Steigerung
der Arbeitsproduktivität, Produktivitätsdifferentiale und dergleichen
spielen dabei eine wesentliche Rolle, die Einkommenspolitik selbst ist
hingegen wesentlich eine Bargaining-Angelegenheit.
Nach diesen etwas lang geratenen Vorbereitungen wende ich mich
dem eigentlichen Thema zu.
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