Volltext: Wirtschaft und Gesellschaft - 1985 Heft 2 (2)

Editorial
Strukturerneuerung und Beschäftigungspolitik
Die konjunkturelle Erholung, die nun schon das zweite
Jahr andauert und den aktuellen Prognosen zufolge sich 1986
fortsetzen wird, schafft in Österreich eine beschäftigungspoli¬
tische Atempause. Gegenüber 1983 sind etwa 25.000 zusätzli¬
che Arbeitsplätze entstanden. Damit wird 1985 zwar die
Beschäftigung immer noch um etwa 40.000 unter dem 1981
erreichten Höchststand von fast 2,8 Millionen liegen, doch
konnte bei dieser Entwicklung zumindest der überwiegende
Teil des aus demographischen Gründen zuwachsenden
Arbeitskräfteangebots Beschäftigung finden und die Arbeits¬
losenrate bei 4!/2 Prozent nahezu stabilisiert werden. Freilich
bleibt die Tatsache beunruhigend, daß trotz der verbesserten
Konjunktursituation die Arbeitslosenzahlen leicht zu¬
nehmen.
Es ist wohl ein glücklicher Zufall, daß die innenpolitischen
Turbulenzen im Winter und Frühjahr 1984/85 in eine Periode
der konjunkturellen Festigung und Erholung fielen - in einer
wirtschaftlich kritischen Phase wären wahrscheinlich nach¬
teilige Folgen für die wirtschaftliche Stabilität eine unaus¬
weichliche Folge gewesen. Nachdem die österreichische
Innenpolitik nun wieder in ein ruhigeres Fahrwasser gelangt
zu sein scheint, kann erwartet werden, daß der Wirtschaftspo¬
litik von der Öffentlichkeit wieder mehr Augenmerk zuge¬
wendet wird.
Die Atempause im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit bietet
der Wirtschaftspolitik nun die Möglichkeit, sich intensiv den
Aufgabenbereichen Konsolidierung der öffentlichen Haus¬
halte und Förderung der positiven Strukturanpassung zuzu¬
wenden. Die budget- und steuerpolitischen Maßnahmen vom
Herbst 1983 haben bewirkt, daß das Nettodefizit des Bundes¬
haushalts von 5,4 Prozent 1983 auf 4,5 Prozent 1984 sank.
Unter Berücksichtigung des damit verbundenen kurzfristi¬
gen Entzugseffekts auf den gesamtwirtschaftlichen Kreislauf
ist die BIP-Wachstumsrate des abgelaufenen Jahres von
2,2 Prozent als positives Ergebnis zu werten. In anderen
Ländern hatten die Wachstumseinbußen infolge der Budget¬
konsolidierung weitaus stärkere gesamtwirtschaftliche Fol¬
gen, vor allem auf der Beschäftigungsseite. In Österreich lag
das Wirtschaftswachstum 1984 nur knapp unter dem europäi¬
schen OECD-Durchschnitt, die Arbeitslosenrate blieb kon¬
stant. 1985 wird die Senkung des Nettobudgetdefizits fortge-
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