Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 1 (1)

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die Dynamik der gesamten Weltwirtschaft, v. a. aber auch für 
die westeuropäischen Länder zu erwarten. 
Die Comecon-Staaten wickeln etwa 60 Prozent ihres Han­
dels mit westlichen Industriestaaten mit der EG und ein 
weiteres Fünftel mit den EFTA-Ländern ab, denen somit 
gemessen an ihrer Größe noch mehr Gewicht zukommt. 
Insgesamt ist der Osten deutlich abhängiger vom Ost-West­
Handel als die westlichen Industriestaaten, für die der Ost­
handel auf etwa 3 Prozent ihres Außenhandelsvolumens 
geschrumpft ist. Für die Oststaaten ist der Handel mit dem 
Westen dagegen auf etwa 20 Prozent des gesamten Außen­
handels angestiegen. 
Die radikalen Veränderungen in Osteuropa führen zu einer 
völlig neuen Ausgangslage in Europa, die rasche Konzepte 
und Handeln des Westens, die eine europäische Strategie 
erfordert. Es geht um den Aufbau von Strukturen, die ein 
langfristiges, kalkulierbares Miteinander mit stabilen politi­
schen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ermögli­
chen und für beide Seiten effizient sind, d. h. Exporte und 
Importe realisiert werden, Märkte erschlossen und gesichert 
werden, Rohstofflieferungen diversifiziert und Arbeitsplätze 
geschützt werden, der wissenschaftlich-technische Fort­
schritt gefördert und Innovationszyklen verkürzt werden. 
Durch die Globalisierung, auch von Risken und Problemen 
(z. B. Umwelt) gilt es, für beide Seiten langfristiges Wirt­
schaftswachstum und Strukturwandel zu sichern. 
Einen Fehler gilt es dabei im Westen zu vermeiden, nämlich 
kurzfristiges Profitinteresse und Ausnutzen der Defizite der 
östlichen Ökonomien. Dies nicht etwa aus politischen oder 
sozialen Motiven, aus Solidarität, sondern aus wirtschaftli­
chem Interesse. Der Comecon-Raum stellt einen der wenigen 
langfristig expandierenden Märkte dar, in dem einem riesi­
gen Nachfragepotential kein adäquates Angebot gegenüber­
steht. Diese Situation kann nicht von heute auf morgen, 
sondern nur mit einem langfristig stabilen Partner genutzt 
werden. 
Während also die gemeinsamen Interessen und Ziele relativ 
klar erkennbar sind, so ist der Weg dorthin noch äußerst 
unklar, zumal sowohl Ausgangsposition als auch Strategien 
der einzelnen osteuropäischen Länder erheblich divergieren. 
Generell liegt das Entwicklungsniveau des Ostens weit unter 
dem des Westens, was für den Aufbau partnerschaftlicher 
Beziehungen einen Aufholprozeß voraussetzt, der nicht ohne 
westliche Hilfestellung, die den Bedürfnissen der Empfän­
gerländer entsprechen muß, bewältigt werden kann. Da die 
osteuropäischen Länder nicht auf einen Übergang zur Markt­
wirtschaft vorbereitet sind, sind Risken und soziale Härten
        

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