Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 3 (3)

miteinander gemeinsam. Im ersten Fall geht es um ein Stück Befreiung von rigiden Zeitzwängen, im zweiten um Perfektionierung der Unterord­ nung unter dieselben." Will man in der Frage "wer wählt" die Seite der Be­ schäftigten stärken, so gibt es nach Vobruba drei Möglichkeiten: - Senkung des Angebots durch Ar­ beitszeitverkürzung - Stärkung des einzelnen Beschäftig­ ten durch vermehrte Rechtsan­ sprüche - garantiertes Grundeinkommen Letzteres bietet gleich drei positive Ansatzpunkte zur Stärkung der Be­ schäftigtenseite am Arbeitsmarkt: " 1 . Es führt zu einer Verringerung des gesamten Angebots an Arbeits­ kraft. 2. Es erweitert die Verhandlungs­ spielräume der Lohnarbeitenden auf dem Arbeitsmarkt. 3. Es schafft neue Gestaltungsmög­ lichkeiten für die Akteure der Ar­ beitszeitpolitik." Wurde in der Vergangenheit das ga­ rantierte Grundeinkommen als Alter­ native zur Arbeitslosigkeit und somit der beschränkten Beschäftigungswir­ kung der Arbeitszeitverkürzung dis­ kutiert, versucht Vobruba herauszuar­ beiten, daß erst durch die Kombina­ tion von Arbeitszeitverkürzung und garantiertem Grundeinkommen eine wirkliche Machtverschiebung am Ar­ beitsmarkt zugunsten der Beschäftig­ tenseite eintritt. Noch einen wichtigen Grund nennt Vobruba in der vorliegenden Studie für ein garantiertes Grundeinkom­ men: die zunehmende Individualisie­ rung in unserer Gesellschaft. Benötigt die Durchsetzung von Arbeitszeitver­ kürzungen die kollektive Organisie­ rung von Interessen, so stärkt ein ga­ rantiertes Grundeinkommen die Posi­ tion des Einzelnen. "Der kollektive Erfolg gelungener Arbeitszeitverkür­ zung ist zugleich die Verbesserung der individuellen Situation. Das garantier­ te Grundeinkommen zielt unmittelbar auf die Ausstattung des Individuums. 458 Sofern sich die/der einzelne in einer grundeinkommensgesicherten Gesell­ schaft auf den Arbeitsmarkt hin orien­ tiert, bewirkt es direkt die Stärkung der individuellen Anbieterposition der Einzelnen." Vobruba erwähnt zwar, daß die Auswirkungen des ga­ rantierten Grundeinkommens auf die traditionellen Interessenvertretungen noch kaum untersucht sind, und bleibt auch im vorliegenden Buch die Antwort schuldig. Ohne Frage sind die Argumente, die Vobruba für ein garantiertes Grund­ einkommen in Kombination mit Ar­ beitszeitverkürzung und Arbeitszeit­ flexibilisierung auflistet, bestechend. Einer langjährigen Zweiflerin - garan­ tierte Grundeinkommen betreffend - seien aber doch einige kritische Be­ merkungen erlaubt. Da die Höhe des Grundeinkommens Ergebnis einer politischen Willensbildung sein muß, macht man sich gerade mit diesem Vorschlag sehr stark vom "maßneh­ menden" guten Willen der Regierung abhängig. Überspitzt formuliert: Ist die regierende Mehrheit gutwillig, so wird es ein hohes Grundeinkommen geben, ist sie eher dagegen, wird sie versuchen, das Grundeinkommen er­ heblich zu drücken. In keinem Land, wo es heute ein Grundeinkommen gibt, hat dieses eine befriedigende Höhe. Grundeinkommen entläßt die Ge­ sellschaft aus der Pflicht, sich um Ar­ beitsplätze zu kümmern bzw. aktive Arbeitsmarktpolitik zu betreiben. Mit dem Mindesteinkommen werden die Arbeitslosen etwas besser alimentiert, aber gleichzeitig wird ihre Lage in einen offiziell befriedigenden sozialen Status umgewertet. Vobruba spricht sich in dem vorliegenden Buch für die negative Einkommensteuer als beste Variante des Grundeinkommens aus. "Die Grundidee der negativen Ein­ kommensteuer ist, daß vom Staat ge­ zahlte Transfereinkommen und Ar­ beitseinkommen miteinander kombi­ nierbar gemacht werden. Dadurch be­ steht für die/den einzelnein die Mög-

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