Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 3 (3)

Profitrate im besonderen teilen mit Smith zahlreiche seiner Nachfolger, 
darunter David Ricardo (1772-1823) und Karl Marx (1818-1883). Einige 
unter ihnen, zumal Marx, vertreten wie er die These, daß die Profitrate 
auf lange Sicht, bei Fortgang der Kapitalakkumulation, zu fallen 
tendiere. 
Wie wirkt sich nun die zunehmende Arbeitsteilung auf die Klasse der 
Arbeiter aus? Smith sieht überwiegend Vorteile. Die Gefahr technologi­
scher Arbeitslosigkeit infolge des Anstiegs der Arbeitsproduktivität, 
wie sie von einigen Autoren vor und zahlreichen nach ihm ausgemacht 
worden ist, existiert seiner Auffassung nach nicht. Da die Zunahme der 
Arbeitsteilung eine Expansion der Märkte zur Voraussetzung hat, ist für 
die Absorption des wachsenden Produkts gesorgt. Auftretende Freiset­
zungen von Arbeitskräften werden von der akkumulationsgetriebenen 
Mengendynamik mehr als kompensiert. Die Nachfrage nach Arbeits­
kräften steigt und mit ihr die Löhne, zeitverzögert auch das Arbeitsan­
gebot. Über die längerfristige Lohnentwicklung entscheidet das Wachs­
tum des Kapitalstocks relativ zu demjenigen der Arbeitsbevölkerung. 
Je innovativer eine Ökonomie, je schneller sie expandiert, desto größer 
die Lohnzuwachsraten. "Nicht die aktuelle Größe, sondern die kontinu­
ierliche Zunahme des nationalen Wohlstands bietet Gelegenheit für ein 
Steigen der Arbeitslöhne." Der Wohlstand aber wächst dort am schnell­
sten, wo der Gewerbefleiß ungehemmt Früchte tragen kann und das 
Privateigentum gesichert ist. Höhere Löhne wiederum sind nicht nur 
gut für die Arbeiter, sondern auch für die Kapitaleigner und letztlich für 
die Gesellschaft insgesamt, da der besser bezahlte Arbeiter im Normal­
fall bereit und in der Lage ist, besser und genauer zu arbeiten: "Wo die 
Löhne hoch sind, begegnen wir immer auch den aktiveren, sorgfältige­
ren und schnelleren Arbeitern als dort, wo sie niedrig sind". 
Smith zufolge droht nur von einer Seite her Gefahr: der dequalifizie­
renden Wirkung der Arbeitsteilung. Wer sein gesamtes Arbeitsleben 
damit verbringe, einige einfache Handgriffe zu verrichten, werde so 
"stumpfsinnig und unwissend", wie es für eine menschliche Kreatur 
nur möglich ist. Er werde außerstande gesetzt, seinen normalen bürger­
lichen Pflichten nachzukommen und, schlimmer noch, sein Land im 
Kriegsfall zu verteidigen. "Dies ist der Zustand, in den in jeder 
fortgeschrittenen und zivilisierten Gesellschaft der Großteil des Volkes 
fallen wird, es sei denn, die Regierung trifft Vorkehrungen, dies zu 
verhindern", wozu Smith dringend rät. Er tritt für die öffentliche 
Finanzierung einer Elementarausbildung der Kinder von Arbeiterfami­
lien ein. 
Smiths Antwort auf die Frage nach dem Los der Arbeiter im "System 
der natürlichen Freiheit" lautet daher: zwar wird ihnen, wie in anderen 
Systemen auch, ein Teil des Ertrags ihrer Arbeit vorenthalten; von 
diesem Teil wird indes relativ mehr der Akkumulation zugeführt, als es 
in anderen Systemen der Fall ist. Entsprechend schneller wächst das 
Gesamtprodukt, und an diesem Wachstum partizipieren auch die 
Lohnarbeiter: "Es ist immense Vervielfachung der Produktion all der 
verschiedenen Produktionszweige infolge der Arbeitsteilung, die in 
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