Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

gleichen Arbeitsplätzen etwas stär­ ker von den computerbedingten Lern-, Mitgestaltungs- und Auf­ stiegsmöglichkeiten. Einen breiten Raum (etwa 200 Sei­ ten) nimmt die Darstellung der Fall­ studien ein. Sie sind sehr übersicht­ lich und klar gestaltet und mit Zitaten aus den Interviews versehen. Ausge­ hend von der Analyse der Unterneh­ menskultur wird eine Verbindung zur Art des Computereinsatzes und der damit verbundenen sozialen Prozesse (Einführungsprozeß, Arbeitsteilung, Organisationsform, Schulung, Rekru­ tierung, Konflikte, Angste, Position der Frauen, Zugang zu Daten etc.) hergestellt. Durch kurz gefaßte, tref­ fende Zwischentitel, die manchmal auch zum Schmunzeln anregen (z. B. "Kampf der Mythen: Patriarch gegen Technokrat"), werden die Verhältnis­ se in den Unternehmen einprägsam charakterisiert. Das vorletzte Kapitel befaßt sich mit der betrieblichen Personalpolitik. Sie wird vor dem Hintergrund arbeitsin­ haltlicher und qualifikatorischer Ver­ änderungen im Zuge des EDV-Einsat­ zes behandelt. In der Massenbearbei­ tung von Daten findet aufgrund der Standardisierung eine Verlagerung der bisher erforderlichen Kenntnisse in das Computersystem statt, vielfach erweitern sich aber andererseits für qualifizierte Sachbearbeiter und Sach­ bearbeiterinnen Kompetenzbereich und Handlungsspielraum. Da die Ar­ beitsabsläufe durch die EDV transpa­ renter werden, ist jedoch gleichzeitig eine bessere Kontrolle von oben mög­ lich. Die Autorinnen sprechen daher von einem "Prozeß der kontrollierten Erweiterung". Schließlich gewinnen sogenannte prozeßunabhängige Qua­ lifikationen, Kommunikation und Kooperation, an Bedeutung (eine kri­ tische Auseinandersetzung mit der Kategorie der Prozeßunabhängigkeit wäre für mich wünschenswert ge­ wesen). Durch eine entsprechende Arbeits­ teilung wird versucht, die alte taylori- 578 stische Politik der weitgehenden Trennung von Kompetenzen zwecks Erzeugung von Arbeitsplätzen mit un­ terschiedlich hohen Qualifikationsan­ forderungen so weit wie möglich fort­ zusetzen. Dadurch gelingt es, bei der Mehrzahl der computerunterstützten Arbeitsplätze die Eingangsvorausset­ zungen auf EDV-Grundkenntnisse, wie sie etwa Abgängerinnen von Han­ delsschulen haben, zu beschränken. Die weitere Ausbildung für die Ar­ beitsplätze erfolgt dann sehr stark be­ triebsspezifisch, um die Arbeitskräfte an das Unternehmen zu binden. An­ spruchsvollere EDV-Kenntnisse wer­ den auf Schlüsselstellen in den einzel­ nen Abteilungen beschränkt. Für die Besetzung dieser Stellen kommt dem Zugang zur Ausbildung und der Se­ lektion aufgrund der Beobachtung von Eigeninitiative, privatem Auf­ wand für Schulung und Erfolg bei der Arbeit am System große Bedeutung zu. EDV-Spezialisten werden meist von außen rekrutiert, insbesondere dann, wenn bei Neuimplementierun­ gen das entsprechende Wissen im Be­ trieb noch nicht vorhanden ist. Wegen der strategischen Funktion der Ausbildung für die Besetzung wichtiger Stellen wird der Schulungs­ aufwand im Betrieb im dunkeln gehal­ ten. Gegenüber dem traditionellen Se­ nioritätsprinzip gewinnt die aktuelle Leistung an Bedeutung. Für Frauen sind die Aufstiegschancen - generell gesehen - immer noch schlechter als für Männer, allerdings ist bereits merkbar, daß es leistungsorientierten Frauen gelingt, die geschlechtsspezifi­ schen Barrieren zu überwinden. Be­ sonders Akademikerinnen haben da­ bei Vorteile. Im letzten Kapitel wird eine zusam­ menfassende Interpretation der Un­ tersuchung und eine Systematisie­ rung der Ergebnisse vorgenommen. Zunächst wird das Prinzip herausge­ arbeitet, auf der die EDV-gestützte Reorganisation beruht, nämlich durch die Herstellung technischer Koppe­ lungen, informationstechnische Ver-

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