Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

die Einhaltung von Verträgen gesichert werden kann - etwa durch Bildung von Reputation (Telser, 1980)\ durch Überlassung eines Pfan­ des (Williamson, 1983) -, haben kollektive Regulierungen eine Funktion bei der Gestaltung von Arbeitsverhältnissen. Kollektive Regulierungen erleichtern das Eingehen neuer Arbeitsverträge, da sie Informationen über Mindestqualitäten der Arbeitsverträge liefern. Ohne Regulierung müßte nämlich jeder einzelne Vertrag Bestimmungen in all jenen Punkten aufweisen, die derzeit durch kollektive Regelungen festgelegt sind. Kollektive Regulierungen haben daher eine Konsumentenschutz­ bestimmungen analoge Funktion. Indem diese nämlich Mindeststan­ dards von Konsumgütern festlegen, reduzieren sie Such- und Prüfko­ sten. Der Informationsgehalt von Preisen steigt, wenn für die Qualität Standards vorhanden sind. Auf den Arbeitsmarkt angewandt bedeutet dies, daß gesetzliche oder kollektivvertragliche Festlegungen von Bestimmungen in Arbeitsverträgen die Information, die der Lohn übermittelt, erhöht8• ad 2. Die Beschäftigten sind in jedem Zeitpunkt davor geschützt, daß die Unternehmen zu ihren Gunsten umverteilen. Die Bedeutung eines derartigen Schutzes hängt davon ab, a) wie sehr die Unternehmen tatsächlich ein Interesse daran haben, derartige Möglichkeiten zur Umverteilung auszunützen und b) wie groß diese Möglichkeiten sind. a) Die Ausnützung der Umverteilungsmöglichkeiten kann dem Unternehmen Kosten verursachen. Wenn nämlich ein Unternehmen neue Arbeitskräfte am Arbeitsmarkt rekrutiert, dann muß es die Auswirkungen eines opportunistischen Verhaltens auf seine Position am Arbeitsmarkt berücksichtigen. Es kann Arbeitskräfte nämlich nur dann attrahieren, wenn der Vorteil aus einem Arbeitsplatz zumindest so hoch ist wie der Reservationsnutzen bevor ein Arbeitsverhältnis einge­ gangen wird. So wird, wenn die Transaktionskosten des Arbeitsmarktes entsprechend hoch sind, eine plötzlich geringfügig erhöhte Leistungs­ anforderung zwar keinen der Beschäftigten zur Abwanderung veranlas­ sen, aber es wird für das Unternehmen schwieriger, Arbeitskräfte zu rekrutieren. Unternehmen haben also nicht immer ein Interesse daran, alle kurzfristig vorhandenen Möglichkeiten zur Umverteilung auszu­ nützen: Um entsprechende neue Arbeitsverträge abschließen zu kön­ nen, müssen sie eine Reputation als "verläßliche" Arbeitgeber bilden (Telser, 1980). Regulierungen von Arbeitsverhältnissen haben daher eine ähnliche Funktion wie Gewährleistungsverpflichtungen und Kon­ sumentenschutzbestimmungen für Gütermärkte. Diese verbessern nicht die Qualität der Güter der "guten" Anbieter, sondern verhindern, daß das Moral-hazard-Problem akut wird (Heal, 1976; Klein, Leffler, 198 1). Durch Regulierungen von Arbeitsverhältnissen werden also jene Unternehmen schlechter gestellt, die keine Reputation am Arbeits­ markt benötigen, sei es, weil sie nicht auf den externen Arbeitsmarkt angewiesen sind, sei es, weil auf diesem der Reservationsnutzen der Arbeiter sehr niedrig ist. Die anderen Unternehmen werden durch Regulierungen bei der Reputationsbildung unterstützt. b) Die Möglichkeit zur Umverteilung durch Interpretation des 488

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