Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

der Beschäftigung von Frauen in bestimmten Berufen, Beschränkung der Arbeitszeit, etc. Diese Regulierungen, die sich - zumindest kurzfri­ stig - auch gegen Arbeitsanbieter richten, können damit begründet werden, daß das Angebot an einfachen Arbeiten auch bei sehr niedri­ gem Reservationsnutzen perfekt elastisch ist. Die Hoffnung, daß durch Akkumulation und technischen Fortschritt auch ohne Beschränkung der Vertragsfreiheit durch Regulierungen extreme Arbeitsformen been­ det werden, sei trügerisch. Die ökonomische Theorie kann dazu wenig sagen, da dafür eine dynamische Theorie notwendig wäre. Diese gibt es aber nicht in einer Form, die der statischen Theorie des allgemeinen Gleichgewichtes vergleichbar wäre. Es ist kein Beispiel bekannt, daß es einer Ökonomie gelungen wäre, gänzlich ohne gesetzliche Regulierun­ gen "extreme" Arbeitsformen auszuschalten. Oft aber haben regulie­ rende Gesetze - etwa Beschränkungen der Arbeitszeit, Verbot der Kinderarbeit - wenig Wirkung. Sie bewirken nur in wenigen Fällen eine echte Einschränkung für bestehende Verträge. Die betreffenden Gesetze haben viel mehr die Resultate des Marktes verallgemeinert und die Aufhebung bestimmter Arbeitsformen beschleunigt. Aus der Tatsache, daß umverteilende Regulierungen die nachgefragte Arbeitsmenge reduzieren, kann nicht ohne weiteres geschlossen wer­ den, daß Arbeitslosigkeit erhöht wird. Da es auch das Ziel umverteilen­ der Regulierungen ist, Arbeitsverträgen eine spezifische Struktur zu geben, wirken Regulierungen nicht auf jede Leistungseinheit gleichmä­ ßig. Regulierungen, die die Fixkosten je Arbeitsverhältnis erhöhen, reduzieren die Menge der Arbeitsverhältnisse. Hingegen können Regu­ lierungen, die zusätzliche Arbeitsleistungen bereits Beschäftigter ver­ teuern, die Anzahl der Beschäftigten erhöhen. Ohne genaue Fragestel­ lungen und detaillierte Untersuchungen können keine präzisen Aussa­ gen gemacht werden. Es sind nämlich neben den Substitutionseffekten die entgegengesetzt gerichteten Outputeffekte zu beachten. So sinkt z. B. der relative Preis zusätzlicher Beschäftigter im Vergleich zu zusätzlichen Leistungen bereits Beschäftigter, wenn zusätzliche Arbeitsleistungen in einem Arbeitsverhältnis verteuert werden. Dadurch wird die nachgefragte Menge an Beschäftigungsverhältnissen vergrößert. Die damit verbundene Erhöhung der Produktionskosten wird allerdings die Anzahl der Beschäftigten reduzieren. Den durch Regulierungen erhöhten Arbeitskosten muß eine erhöhte Produktivität der marginalen Beschäftigungsverhältnisse entsprechen. Es scheiden jene Arbeitskräfte bzw. Arbeitsplätze aus, deren Produkt nicht den erhöhten Kosten entspricht. Eine Ökonomie mit umverteilen­ den Regulierungen hat daher notwendigerweise eine höhere Arbeits­ produktivität als eine ansonsten identische Ökonomie ohne derartige Regulierungen 12• 1.4 Regulierungen und individuelle Rationalität Für die wirtschaftspolitische Bedeutung ökonomischer Theorien ist die Annahme wichtig, daß die Wirtschaftssubjekte planvoll handeln; 491

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