Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

Vertragsfreiheit stellen die davon betroffenen Beschäftigten besser, auch wenn sie dies als Beschränkung ihres Handeins erleben13• Selbstverständlich muß mit derartigen Argumenten äußerst vorsich­ tig umgegangen werden. Man beachte aber, daß die Rechtsordnungen aller Länder Bestimmungen kennen, die Einschränkungen von Freihei­ ten beinhalten: Festlegung der Schulpflicht, Beschränkungen beim Alkohol- und Nikotinkonsum; es gibt keinen Grund, Arbeitsverhält­ nisse a priori von derartigen Regulierungen auszunehmen. Die hier angeführten Probleme bewirken darüber hinaus externe Kosten, einen weiteren bereits klassischen Fall von Marktversagen. Angenommen, eine Arbeitskraft akzeptiert aus Einkommensüberlegun­ gen einen besonders riskanten Arbeitsplatz, dann entstehen bei Eintritt des ungünstigen Ereignisses14 der Gesellschaft Kosten bei den entspre­ chenden Versicherungen und dem Sozialsystem. So ist die häufige Inanspruchnahme der Invaliditätspension eine Subvention der Wirt­ schaftszweige, bei denen diese Pensionen besonders häufig anfallen (vgl. Feldstein, 1976, im Zusammenhang mit Arbeitslosenversicherung). Sicherheitsmaßnahmen, geringere Arbeitszeit würden den entspre­ chenden Industrien Kosten verursachen, die entweder die Einkommen sinken lassen und/oder den Output reduzieren. Regulierende Eingriffe sind eine Möglichkeit, dieses Marktversagen zu korrigieren. 1 .5 Zusammenfassung Gezeigt wurde, daß es unzutreffend ist anzunehmen, die moderne neoklassische Ökonomie liefere wegen der Annahmen des methodelo­ gischen Individualismus keine Argumente für Beschränkungen von Vertragsfreiheiten. Die Regulierung von Arbeitsverhältnissen muß als ein System von Mindeststandards bezüglich der Qualität der Arbeits­ plätze gesehen werden. Indem dadurch Informationen über Arbeits­ plätze bereitgestellt werden, erleichtern sie das Funktionieren des Arbeitsmarktes. Das Suchen eines Arbeitsplatzes verursacht weniger Kosten. Im Falle asymmetrischer Information bewirkt die Setzung von Mindeststandards darüber hinaus unter bestimmten Umständen eine Wohlfahrtserhöhung. Zwar werden weniger Arbeitsleistungen wegen der Kostensteigerung nachgefragt, der damit verbundene Wohlfahrts­ verlust wird aber aufgewogen durch die Qualitätsverbesserung bei den anderen Arbeitsplätzen. Ferner werden durch Regelungen Eigentums­ rechte - vor allem der Beschäftigten - festgelegt, wodurch sie vor kurzfristig vorhandenen Umverteilungsmöglichkeiten geschützt werden. Natürlich kann daraus nicht geschlossen werden, daß gerade die bestehenden Regelungen unverzichtbar sind. Allerdings gilt umge­ kehrt, daß sich auch bei einer Aufhebung gesetzlicher Regelungen nicht grundsätzlich alles ändert. In Arbeitsmärkten ohne gesetzliche Regulie­ rungen würden wahrscheinlich viele bei uns gesetztlieh eingeführte Bestimmungen in den Arbeitskontrakten zu finden sein. Dies ist eine 493

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