Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

Folge des Umstandes, daß am Arbeitsmarkt nicht Arbeitsleistungen, sondern Arbeitsverhältnisse gehandelt werden. 2. Das Bedürfnis nach Deregulierung Um abzuschätzen, ob der Wunsch nach einer Deregulierung der Arbeitsverhältnisse stärker werden wird, ist es notwendig, Nutzen und Kosten von Regulierungen genauer zu bestimmen. Dazu muß auf spezifische Regulierungen eingegangen werden. Neben dem Mindest­ lohn sind folgende kollektive Regelungen politisch immer wieder umstritten15: 1. Dauer und zeitliche Lage der Leistungserbringung. 2. Regelungen, betreffend die Beendigung des Arbeitsverhältnisses. 3. Gesundheits- und Unfallschutz am Arbeitsplatz. 4. Beschränkungen von Leistungserbringungen für bestimmte Grup­ pen (z. B. Verbot der Schwerarbeit für Schwangere, der Nachtarbeit für Frauen). Derzeit sind vor allem die Regelungen, betreffend die Dauer und der zeitlichen Lage der Leistungserstellung und der Beendigung von Arbeitsverhältnissen umstritten. In den Bereich der umstrittenen Rege­ lungen gehören aber auch die Gesetze, betreffend den Marktzutritt: Ausländerbeschäftigung und Einwanderungsbestimmungen. Durch Beschränkung des Marktzutrittes soll die Kontrolle der Einhaltung von Regulierungen der Arbeitsverhältnisse erleichtert werden. 2.1 A rbeitszeitflexibilisierung Die Vertreter der Arbeitnehmer verlangen einer Reduzierung der Regelarbeitszeit, wobei im allgemeinen in Kauf genommen wird, daß die Lohnzuwächse dabei reduziert werden. Begründet wird diese Forderung einerseits mit einer kollektiv geäußerten Präferenz für mehr Freizeit gegenüber höherem Einkommen und zweitens mit einer Umverteilung der Arbeitsmöglichkeiten. Durch eine Reduzierung der individuellen Arbeitszeit sollen bisher Arbeitslose Beschäftigung fin­ den. Ohne diese Behauptungen hier quantitativ zu evaluieren, muß darauf hingewiesen werden, daß, wenn die diesem Argument zu Gun­ sten einer Arbeitszeitverkürzung zugrundeliegenden Schätzungen stimmen, manche Arbeitnehmer bei einer Arbeitszeitverkürzung in ihrem Arbeitsangebot rationiert sind: sie wären bereit, bei konstantem Lohnsatz, also ohne Überstundenzuschläge, für höheres Einkommen mehr zu arbeiten; Unternehmen wären bereit, die zusätzlichen Arbeits­ einheiten nachzufragen. Durch kollektiv durchgesetzte Arbeitszeitver­ kürzung werden Beschäftigte und Unternehmen rationiert. Die Unternehmen wollen eine Lockerung der Regeln, die die zeitliche Lage der Arbeitszeit und ihre Verteilung innerhalb eines längeren Zeitraumes betreffen. Begründet wird dies mit dadurch erhöhter Pro- 494

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