Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1990 Heft 4 (4)

Auswirkungen eine Deregulierung auf die Einkommen der Beschäftig­ ten in diesen Sektoren, bzw. auf die Bechäftigung darin hat, hängt von den Elastizitäten des Arbeitsangebotes bzw. der Nachfrage ab. Letzteres hängt wiederum von der Preiselastizität der betreffenden Dienstlei­ stung und den Konkurrenzverhältnissen auf diesem Markt ab: Ange­ nommen auf dem Markt für eine Dienstleistung herrsche vollkommene Konkurrenz; eine durch eine Deregulierung der Arbeitsverhältnisse hervorgerufene Senkung der Lohnkosten wird zu einem Sinken des Preises der Dienstleistung führen. Ist die Preiselastizität der Nachfrage nach dieser Dienstleistung hoch, so ist mit dem Senken der Lohnkosten eine Ausweitung der Beschäftigung verbunden. In diesem Fall kommt es zu einer Umverteilung von den Arbeitneh­ mern zu den Konsumenten. Dies ist eine Folge des Wegfalls der kartellierenden Wirkung der Schutzgesetze. Ob so eine Deregulierung wünschenswert ist oder nicht, kann a priori nicht entschieden werden. Dies hängt von der Höhe der Löhne in diesen Sektoren im Vergleich zu anderen Sektoren und der Arbeitslosigkeit ab. Insofern es sich um wenig qualifizierte Lohnabhängige handelt, deren Angebot bei entspre­ chender Öffnung des Arbeitsmarktes gegenüber Ausländern sehr ela­ stisch ist, kann eine Deregulierung erhebliche Wohlfahrtsverluste für die bisher Beschäftigten bringen. Eine Senkung der Lohnkosten impliziert nicht, daß die betreffenden Unternehmen höhere Profite haben, da auch nach einer Deregulierung Grenzkosten gleich dem Preis sind. Die Karteliierung des Arbeitsmark­ tes bewirkt nämlich eine Karteliierung des Marktes für die betreffende Dienstleistung. Zu beachten ist aber, daß durch eine Schutzgesetzge­ bung jedes einzelne Unternehmen rationiert ist, auch wenn die Nach­ frage bei sinkenden Preisen insgesamt nicht ausgeweitet werden kann. Jedes Unternehmen kann nämlich unter der Bedingung der Konkur­ renz das Angebot nach den von ihm angebotenen Dienstleistungen beliebig ausweiten und wird durch Regulierungen daran gehindert. So wird etwa von Unternehmen der Gastwirtschaft geklagt, daß geltende Schutzbestimmungen für Jugendliche das Anbot an warmen Speisen an späten Abendstunden erschweren. Jedes einzelne Unternehmen erfährt dies als Beschränkung seiner Handlungsmöglichkeiten und damit seiner Gewinne. Da aber nicht anzunehmen ist, daß bei einem Wegfall dieser Schutzbestimmung insgesamt mehr gegessen wird, würden in der Summe die Gewinne kaum steigen. Natürlich kann es dabei erhebliche Struktureffekte zwischen den Unternehmen geben. 2. Wenn die Leistungserstellung zu bestimmten Zeiten tatsächlich unterdrückt werden sollte (Schichtarbeit in der Nacht für Frauen etc.), dann bedeutet eine Deregulierung die Eröffnung eines Marktes, den es bisher nicht gegeben hat. Es ist dies vor allem in der Industrie und im Handel anzutreffen. Diese theoretischen Überlegungen geben zwar keine Antwort auf die Frage, welche Wirkungen eine Deregulierung der Arbeitsverhältnisse in der Realität hätte, aber sie geben den Rahmen, in dem das untersucht werden kann. Es kann dabei von folgendem ausgegangen werden: 496

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