Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 2 (2)

SCHULDENZYKLEN IN DER 
DRITTENWELT 
Rezension von: Christian Suter, 
Schuldenzyklen in der Dritten Welt, 
Kreditaufnahme, Zahlungskrisen und 
Schuldenregelungen peripherer Län­
der im Weltsystem von 1820 bis 1 986,  
Athenäum Monographien, Sozialwis-
senschaften, Bd. 32 ;  A. Hain Verlag, 
Frankfurt a. M. 1990,  350 Seiten, 
DM 98 ,-
Diese Arbeit, die 1 988 an der Uni­
versität Zürich als Dissertation ange­
nommen wurde, greift die äußerst in­
teressante Frage auf, ob sich in der 
langfristigen Dynamik der internatio­
nalen Verschuldung sogenannter 
"Entwicklungsländer" dem Konjunk­
turverlauf analoge und von diesem be­
einflußte Zyklenmuster finden lassen. · 
Der Autor stellt einen engen Zusam­
menhang zwischen globalen Schul­
denzyklen und globalen Wachstums­
zyklen fest: Der Süden verschuldet 
sich massiv an den Höhepunkten welt­
weiten Wachstums, während Schul­
denkrisen gewöhnlich zu Beginn einer 
längeren Stagnationsphase ausbre­
chen und Schuldenregelungen mehr­
heitlich in den frühen Anfangsphasen 
globaler Wachstumszyklen vereinbart 
werden. Suter findet zwei zyklische 
Muster: Kodratieff- und Kuznetszy­
klen, wobei letztere vor allem für den 
Raum der atlantischen Ökonomie 
(Fallbeispiel Argentinien) und die Zeit 
des späten 19 .  und frühen 20 .  Jahrhun­
derts typisch sind. Darüber hinaus 
gibt es politisch generierte Hegemoni­
alzyklen "mit einer Dauer von über 
100 Jahren" (S. 25) .  
Recht plausibel argumentiert Suter, 
daß die Verschuldung der Peripherie 
zu Zeiten des Profitrückgangs und der 
Marktsättigung im Zentrum (= Indu­
strieländer) expandiert, während, sta-
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gnierende Exporterlöse bzw. eine 
Scherenbewegung zwischen steigen­
dem Schuldendienst und (fallenden) 
Exporterlösen zum Ausbruch von 
Schuldenkrisen führe. Die zyklische 
Dynamik darf jedoch nicht als gleich­
förmiges wiederkehrendes Muster auf­
gefaßt werden, sondern es lassen sich 
zwischen den einzelnen Zyklen Unter­
schiede erkennen, die der Autor als 
Trendbewegung in der Entwicklung 
des Weltsystems interpretiert. Vier 
Fallstudien verschiedener Typen von 
Peripherieländern (Peru, Liberia, das 
Osmanische Reich, bzw. nach dem Er­
sten Weltkrieg die Türkei, sowie Ar­
gentinien) schließen den empirischen 
Teil ab. 
Besondere Hervorhebung verdient 
der interessante Anhang A, dessen Er­
stellung äußerst arbeitsintensiv war. 
Hauptsächlich gestützt auf Publika­
tionen von Anlegerschutzverbänden 
(v. a. des britischen Council of the Cor­
poration of Foreign Bondholders) so­
wie des Economist aus den Jahren 
1843 bis 1939 wurde eine übersichtli­
che Dokumentation der Zahlungspro­
bleme von Anleiheschuldnern erstellt. 
Trotz des interessanten Themas und 
des Arbeitsaufwandes ist Suters Buch 
leider schlecht. Unklarheiten, proble­
matische Formulierungen, Fehler und 
Auslassungen reduzieren den Wert der 
gesamten Arbeit in höchst bedauerli­
cher Weise. Das thematisch zentrale 
Kapitel 3.3 .2 "Ursachen der Auslands­
verschuldung: Eine vergleichende 
Länderanalyse der späten 1920er Jah­
re" (S. 68 ff.) liefert unter Verwendung 
einfacher Korrelations- und (multi­
pler) Regressionsberechnungen ein ba­
nales Ergebnis: die Größe des Schuld­
nedandes (gemessen z. B. durch das 
BIP) liefert die wesentliche Erklärung 
für den Schuldenstand. Simpler aus­
gedrückt: man kann erwarten, daß 
Brasilien oder Indien nominell größere 
Schulden haben als Grenada, Vanuatu 
oder Westsamoa. Weder pathetische 
Wiederholungen (z. B . :  S. 78 ,  82-84, 
1 3 1 ,  230} noch irreführende Bezeich­
nungen wie "Gläubigervertrauen"
        

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