Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 2 (2)

um nicht nur diesen Schock bewältigen, sondern auch struk­
turelle Arbeitsmarktprobleme lösen zu können. Vor allem sol­
len die Wechselwirkungen sichtbar werden, das Netzwerk von 
Beziehungen, die isolierte Problemlösungen erschweren, letzt­
lich verhindern. Bedauerlicherweise kommt es immer wieder 
vor, daß Entwicklungen sich auf kurze Sicht sehr positiv dar­
stellen, längerfristig aber höchst Unerwünschtes nach sich 
ziehen. 
Zwei Jahrzehnte lang -bis 1 981 -wurde in Österreich durch 
das Zusammenspiel von Beschäftigungs(Konjunktur)- und 
Arbeitsmarkt(Struktur)politik Vollbeschäftigung gesichert, 
wobei bis 1975 die Schubkraft der Phase des starken Wachs­
tums noch voll wirksam war. In den achtziger Jahren ist, spä­
ter als in anderen Ländern, dieses Gleichgewicht nachhaltig 
gestört und bislang nicht wiederhergestellt worden. In Jahren 
mit niedrigen Wachstumsraten gelang es den Arbeitsmarkt 
gegen Arbeitslosigkeit abzuschirmen, vom Wachstum abzu­
koppeln. Strukturverbesserungen durch die Wegrationalisie­
rung unrentabler Arbeitsplätze wurden über Frühpensionie­
rungen und Reduktion der Ausländerbeschäftigung bewältigt. 
Seit 1 987 bewirken hohe Wachstumsraten ein kräftiges Be­
schäftigungswachstum. Gleichzeitig steigt aber durch den Zu­
strom ausländischer Arbeitskräfte die Arbeitslosigkeit. 
Zustrom an ausländischen Arbeitskräften 
Elementarereignisse bewegen sich nicht in geplanten Bah­
nen und verändern Machtverhältnisse. Der Zustrom ausländi­
scher Arbeitskräfte hat sich seit 1 987 beschleunigt. Zu einem 
schockartigen Ereignis wurde dieser Zustrom 1990 ,  wo im 
Laufe des Jahres das ausländische Arbeitskräftepotential um 
93.000 wuchs. Die - geschätzte - Zuwanderung von über 
150.000 Ausländern hat Begleiterscheinungen und Folgewir­
kungen, die uns noch lange zu schaffen machen werden. Vor 
allem, weil der Zustrom vermutlich auch 1991  unvermindert 
anhalten wird. Eine trotz Hochkonjunktur steigende Arbeits­
losigkeit ist eine der Konsequenzen dieses Angebotsschocks, 
eine deutliche Machtverschiebung am Arbeitsmarkt eine an­
dere. 
Ein großes, für wenig qualifizierte Arbeit fast unbegrenztes 
Arbeitskräfteangebot ist jene Marktkonstellation, unter der 
die Arbeitsmarktprobleme kurz- und mittelfristig zu betrach­
ten sind. Eine Konstellation, die zu einem Käufermarkt ge­
führt hat auf dem Unternehmer als die Käufer von Arbeits­
kraft ihre Vorstellungen über Lohnhöhe und Arbeitsbedin­
gungen erfolgreich durchsetzen können. Was Unternehmer 
auf diese Weise allerdings nicht finden, sind Arbeitskräfte mit 
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