Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 3 (3)

ÖSTERREICHS ARBEITSMARKT 
IM ÜBERBLICK 
Rezension von: Ewald Walterskirchen, 
Unemployment and labour market 
flexibility: Austria, ILO, Genf 1991 ,  
134 Seiten, sfr 30 ,-
Im Vorwort beschreibt Guy Stan­
ding die vorliegende Studie als Bewer­
tung der Arbeitsmarktergebnisse und 
Schwierigkeiten des "österreichischen 
Modells" .  Sie kam teilweise durch eine 
Einladung des seinerzeitigen Sozial­
ministers Alfred DaHinger zustande, 
sich mit den Hindernissen für eine 
größere Flexibilität des Österreichi­
schen Arbeitsmarktes auseinanderzu­
setzen. 
.. Das einleitende Kapitel bietet einen 
Uberblick über das - in der Literatur 
unterschiedlich interpretierte - Kon­
zept des "Austro-Keynesianismus" ,  
die wirtschaftliche Entwicklung in 
den siebziger und achtziger Jahren so­
wie die Arbeitsmarkttendenzen. Die 
im folgenden Abschnitt vorgenomme­
ne Bewertung der Arbeitsmarktlage 
stützt sich auf Daten aus den Jahren 
1988 und 1989.  Aus diesem Grund ist 
sie nicht mehr aktuell: Mittlerweile er­
höhte sich infolge der schockartigen 
Zunahme des Angebots an ausländi­
schen Arbeitskräften die Arbeitslosig­
keit wesentlich. Im Durchschnitt der 
ersten fünf Monate des Jahres 1991  be­
trug die Arbeitslosenrate 6 ,5% und lag 
damit um 0,8 Prozentpunkte höher als 
im Vergleichszeitraum des Vorjahres. 
In bezug auf die Zahl der unselbstän­
dig Beschäftigten war Ende Mai 1991 
ein Anstieg von 69 .500 gegenüber dem 
entsprechenden Vorjahreswert festzu­
stellen. Die Zahl der beschäftigten In­
länder sinkt jedoch seit Oktober 1990 
im Vorjahresvergleich! 
Das dritte Kapitel stellt die Institu­
tionen der Wirtschafts- und Sozial-
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partnerschaft vor, befaßt sich mit den 
Bestimmungsfaktoren der Einkom­
menspolitik und analysiert die ma­
kroökonomische Reallohnflexibilität 
ebenso wie die relativen Löhne. 
Kapitel 4, betitelt "Arbeitsmarkt­
flexibilität" ,  ist das Kernstück des 
vorliegenden Bandes. Der Autor be­
schäftigt sich hier mit dem Niveau der 
Lohnnebenkosten, der Entwicklung 
der Lohnstückkosten und der räumli­
chen und beruflichen Mobilität der 
Arbeitskräfte. Die eher langsame An­
passung der Beschäftigung an Produk­
tionsänderungen sei zum Teil auf ar­
beitsrechtliche Bestimmungen zurück­
zuführen. In der Folge werden diese 
Regelungen kurz angeführt und disku­
tiert. 
An eine Beschreibung der verschie­
denen Formen der Arbeitslosenunter­
stützung in Österreich schließt ein in­
ternationaler Vergleich der Netto-Ein­
kommensersatzquoten an. Walterskir­
chen gelangt dabei zu dem Schluß, daß 
diesbezüglich zwischen Österreich und 
der Bundesrepublik keine substantiel­
len Unterschiede bestehen. Während 
der achtziger Jahre erfolgte in Öster­
reich keine Anhebung der Einkom­
mensersatzquote. Damit fällt jeden­
falls das System der Arbeitslosenun­
terstützung als erklärender Grund für 
den Anstieg der Arbeitslosigkeit in 
diesem Zeitraum aus, wie das von 
Pamphleten bestimmter Interessen­
verbände und von den in ihrer Wort­
wahl keineswegs zimperlichen Ergüs­
sen eines Boulevardblattes unterstellt 
wurde. 
In der Zusammenfassung des vierten 
Abschnitts wird festgehalten, daß 
größere Arbeitsmarktflexibilität kurz­
fristig nicht zur Senkung der Arbeits­
losigkeit führen kann, solange keine 
zusätzlichen Arbeitsplätze verfügbar 
sind. Im konjunkturellen Aufschwung 
freilich trägt stärkere Flexibilität auf 
dem Arbeitsmarkt zur Verhinderung 
von Arbeitskräfteknappheiten in ein­
zelnen Bereichen (Branchen, Berufen, 
Regionen) bei und wirkt langfristig 
der Entstehung von angebotsseitigen
        

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