Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 3 (3)

UNIVERSITÄTSREFORM 
Rezension von: Jürgen Schramm 
(Hrsg), Modernisierungsstrategie für 
die Universität, Peter Lang Verlag, 
Frankfurt am Main 1990, 278 Seiten, 
DM 89,-
Die Krise des tertiären Bildungssek­
tors, verursacht durch die Expansion 
der Universitäten und Hochschulen in 
den sechziger und siebziger Jahren 
und die damit verbundene explodie­
rende Aufgabenentwicklung im Uni­
versitätsbereich, läutete im Oktober 
1988 - am Boden der Freien Univer­
sität Berlin - ein Symposion mit dem 
Titel "Modernisierungsstrategie für 
die Universitäten" ein. Die auf diesem 
Symposion gehaltenen Referate und 
vorgelegten Arbeitsberichte sind in 
diesem Band zusammengefaßt. 
Ausgehend davon, daß die Univer­
sitäten "hochqualifizierte Arbeits­
kräfte ausbilden und durch ihre For­
schungsergebnisse Innovationen für 
den Prozeß sozialer, ökonomischer und 
technischer Entwicklungen zur Verfü­
gung stellen, die letztlich mitentschei­
dend für die internationale Konkur­
renzfähigkeit der Volkswirtschaften 
sind" ,  müßten die Universitäten ei­
gentlich Schrittmacher der Gesell­
schaft sein. Besser sollte es heißen: 
"zur Verfügung stellen sollten ", denn 
schließlich stellten die Autoren fest, 
daß dem nicht so ganz ist, ganz im 
Gegenteil, die Universitäten im deut­
schen Sprachraum (und auch in ande­
ren europäischen Ländern) müßten 
erst an die marktwirtschaftliche Rea­
lität der Gesellschaft angepaßt wer­
den. Das Hochschulwesen weist daher 
"einen Modernisierungsrückstand auf, 
der einer Diagnose wie einer Therapie 
bedarf" .  
Ursprünglich waren Universitäten 
relativ kleine elitäre Bildungs- und 
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Forschungseinrichtungen mit traditio­
nell wissenschaftlich orientiertem 
Studienangebot. Vollbeschäftigung 
und rasanter technischer Fortschritt ­
gepaart mit der Forderung nach Chan­
cengleichheit und Entprivilegierung 
des Zugangs zu höherer Bildung -
führten zur Hochschulexpansion der 
sechziger und siebziger Jahre mit der 
starken Zunahme von Studentenzahl, 
Lehrpersonal und Bauinvestitionen. 
Der tertiäre Bildungsbereich wurde zu 
einem Massenausbildungssystem. Die 
steigenden Kosten des universitären 
Systems erregten das Interesse der Öf­
fentlichkeit, und man begann in den 
siebziger Jahren an Reformplänen zu 
basteln - viele Industrieländer reagier­
ten mit Budgetkürzungen (z. B .  Groß­
britannien), die zu Einschränkungen 
im Leistungsspektrum der Universitä­
ten führten und damit die weitere Ex­
pansion bremsten - man spricht auch 
von einer Phase der Konsolidierung, 
die in den achtziger Jahren einsetzte. 
In den Industrieländern wurde - aus­
gelöst durch die rasante technische 
Entwicklung und die wachsende welt­
weite Konkurrenz - zunehmend die 
Frage nach der Leistungsfähigkeit der 
Universitäten gestellt, nach ihrem Bei­
trag zur Realisierung nationaler For­
schungs- und Entwicklungsprogram­
me und damit auch nach ihrer Koope­
rationsfähigkeit und -bereitschaft mit 
der Wirtschaft. 
Im Rahmen des Forschungsschwer­
punkts "Ökonomische Theorie der 
Hochschule" wurden Modernisie­
rungsstrategien für die Universitäten 
entworfen. Ein nationales Univer­
sitätssystem gilt demnach als modern 
und funktional, wenn 
- alle Universitäten so organisiert 
sind, daß ihre Leistungserbringung 
in Lehre, Forschung und Dienstlei­
stungen effizient ist und eine Orga­
nisationskultur entwickelt wurde, 
die flexible Anpassungen sowohl an 
Nachfrageänderungen nach Lei­
stungsangeboten als auch an wissen­
schaftlichen Entwicklungen ermög­
licht (sog. "Interne Rationalität")
        

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