Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 3 (3)

die Universitäten die gesellschaftli­
che Nachfrage nach ihren (innovati­
ven) Leistungen in der Forschung, 
der Ausbildung von hochqualifi­
zierten Arbeitskräften sowie im 
Dienstleistungs hereich befriedigen 
(sog. "Externe Funktionalität" ) .  
Das heißt, ausschlaggebend ist der 
Beitrag, den die Universitäten zur 
Entwicklung von Wirtschaft und Ge­
sellschaft leisten, wobei neben den 
staatlichen Interessen noch ein tradi­
tionelles Kriterium dazukommt: Die 
Universität hat als Forschungseinrich­
tung ihren Beitrag zur Entwicklung 
der Wissenschaften zu leisten (advan­
cement of knowledge) ,  welcher das 
Ansehen der Institution in der "scien­
tific community" bestimmt. 
Die Problemlösungsmodelle bein­
halten die Einführung von Konkur­
renzmechanismen innerhalb der ein­
zelnen Universitäten, zwischen den 
nationalen Universitäten und im in­
ternationalen Kontext, wobei als not­
wendige Voraussetzung die Autonomie 
der einzelnen Universitäten hinsicht­
lich ihrer Organisationsform, der 
Struktur ihres Leistungsangebotes in 
Forschung und Lehre und der Verwen­
dung ihrer Finanzmittel gesehen wird. 
Die Realisierung von Autonomie er­
fordert wiederum eine völlig neue Be­
ziehung zwischen Staat und Univer­
sitäten: Der Staat soll nicht mehr di­
rekt in den Hochschulbereich eingrei­
fen, sondern vor allem den Finanzie­
rungsrahmen vorgeben, eine "Qua­
litätskontrolle" der Leistungserbrin­
gung durchführen und ein Leistungs­
anreizsystem mittels Erhöhung (oder 
auch Senkung) der zugewiesenen Mit­
tel entwickeln. Den Universitäten 
bliebe dann die Freiheit, Schwerpunk­
te zu setzen und "für die Finanzierung 
ihrer Vorhaben nach alternativen 
Möglichkeiten zu suchen" ,  z. B. in 
Form von Weiterbildungsangeboten, 
Kooperationen mit der Wirtschaft usw. 
Autonomie heißt jedoch nicht, daß 
die Hochschulen machen können, was 
sie wollen. Der Staat erhält - als Geld­
geber - sehr wohl die Möglichkeit, in 
das universitäre "Planspiel" einzu­
greifen, Mißliebiges durch finanzielle 
"Bestrafung" aus der Welt zu schaffen 
und Gewünschtes zu fördern. 
Abgeschafft sollen nur die langwie­
rigen und bürokratischen unmittelba­
ren Lenkungseingriffe des Staates in 
das Hochschulleben werden. In diesem 
Sinne wird von einem der Autoren eine 
parlamentarische Kontrolle gefordert, 
die verhindern soll, daß das Instru­
mentarium der Mittelzuweisung zur 
politischen Disziplinierung miß­
braucht wird. Die "alternativen Fi­
nanzierungsmöglichkeiten" der Hoch­
schulen - wie z. B. die F&E-Koopera­
tion mit Wirtschaftsunternehmen -
haben in Folge der in den letzten Jah­
ren im Hochschulsektor mancher 
Industrieländer erfolgten budgetären 
Kürzungen einen neuen Stellenwert 
erhalten und gewinnen immer mehr an 
Bedeutung. Jürgen Schramm verweist 
hier allerdings auf die Gefahr der Ent­
stehung einer finanziellen Abhängig­
keit von den Auftraggebern und der 
damit verbundenen Vernachlässigung 
der grundlegenden Forschungs- und 
Lehrtätigkeit an den Universitäten. 
Daher sollten Kooperationen mit pri­
vaten Auftraggebern staatlich kon­
trolliert (nicht gesteuert ! )  und nur 
dann zugelassen werden, wenn ein 
Mindestmaß an Transparenz, das 
heißt, das Recht auf Veröffentlichung 
der Forschungsergebnisse, gewährlei­
stet ist. 
Mit dem Ziel der Schaffung einer 
"kostengünstigeren und hochwertige­
ren Lehre und Forschung, die den ge­
sellschaftlichen und wissenschaftli­
chen Bedürfnissen Rechnung tragen",  
wurden im Laufe der siebziger und der 
achtziger Jahre in den Niederlanden 
zahlreiche Konzepte erprobt, wobei es 
mitunter auch viele Mißerfolge gab. 
Die Entwicklung eines neuen Hoch­
schulplanungssystems durch die re­
nommierte Unternehmensberatungs­
firma McKinsey scheiterte am man­
gelnden Interesse der Universitäten. 
Anreize zur Reform entstanden erst 
durch die ersten budgetären Kürzun-
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