Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 3 (3)

Österreichischen Begehren kritisch gegenüberstanden. Es 
sei in diesem Zusammenhang daran erinnert, daß die 
Schweiz eigens einen höheren Regierungsbeamten auf die 
Reise schickte, um Österreich die Bedenken eines neutralen 
Nachbarn nahezubringen; daß der Generaldirektor eines 
schwedischen transnationalen Konzerns in einem in Wien 
gehaltenen Vortrag zwar nicht ausdrücklich, aber dafür 
eindeutig vom Beitritt abriet; daß aus Finnland gelegentlich 
fast harte Kritik berichtet wurde. Wenn heute davon nichts 
mehr zu spüren ist, so sollte man nicht vergessen, daß Öster­
reich vor zwei Jahren ganz auf sich allein gestellt handelte, 
im Alleingang, wenn man von Zypern und Malta absieht. 
Ein weiterer beträchtlicher Unsicherheitsfaktor bestand 
darin, wie die EG als Gesamtheit und die Mehrzahl ihrer 
Mitgliedsstaaten auf den Österreichischen Wunsch, in die­
sen Kreis aufgenommen zu werden, reagieren würden. Da 
gab es einerseits Vorbehalte von seiten einiger Gründungs­
mitglieder (z. B. Holland, Belgien), die eine Aufweichung 
des ohnehin prekären Zusammenhalts der Gemeinschaft 
durch ein neues Mitglied befürchteten. Andererseits waren 
gerade die neuen Mitglieder Spanien und Portugal wenig 
erpicht darauf, in absehbarer Zeit einen neuen Mitbewerber 
zu bekommen. Auch darüber wurde Skepsis artikuliert, ob 
innerhalb der vorhandenen EG-Strukturen ein 13 .  Mit­
gliedsstaat verkraftbar sein werde, usw. Als Negativszena­
rio war als Ergebnis eine Situation, in der die EG Österreich 
einen Korb gibt und seinen Beitrittsantrag zurückweist, die 
EFTA-Partner verärgert sind und die Sowjetunion 
mißtrauisch reagiert, nicht völlig von vornherein auszu­
schließen. 
Zieht man diese Umstände der Ausgangssituation in der 
gegenwärtigen Phase der Österreichischen Integrations­
bemühungen in Betracht, so fällt eine Zwischenbilanz weit­
gehend positiv aus. Die Kritik aus dem Kreis der EFTA­
Mitgliedsländer ist nicht nur verstummt, sondern einige 
Länder streben nun selbst die Mitgliedschaft an, nachdem 
sie erkannt haben, daß selbst bei Zustandekommen des 
EWR dieser nur einen sehr unvollkommenen Ersatz bieten 
würde. Schweden ist nach einer politischen Kehrtwendung 
in seiner Europapolitik durch seinen Beitrittsantrag dem 
Österreichischen Beispiel gefolgt, in den übrigen EFTA­
Ländern wird diese Frage immer stärker thematisiert. Wenn 
die Skandinavier früher durch ihr Draußenbleiben auch die 
Eigenständigkeit ihres Weges demonstrieren wollten, so 
schließen sie sich nunmehr der Ansicht an, daß Europa sich 
in Zukunft im Rahmen der EG neu ordnen wird. Eine Rolle 
dabei spielte sicher auch der politische Umbruch in Ost­
europa, die Tatsache, daß sich die Tschechoslowakei, Un-
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