Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1991 Heft 3 (3)

garn und Polen und auch noch andere so bald wie möglich 
der EG anschließen möchten. 
Etwas diffiziler ist die Veränderung des Österreichischen 
Integrationsstatus im Hinblick auf die Haltung der EG bzw. 
der Mitgliedsländer einzuschätzen. Hier ist es sicher durch 
intensive Überzeugungsarbeit, zu der auch die Sozialpart­
nerverbände das Ihrige beigetragen haben, gelungen, man­
che Vorbehalte auszuräumen und Widerstände abzubauen. 
Kein Zweifel, es werden solche Vorbehalte immer noch arti­
kuliert, und von österreichischer Seite müssen die 
Bemühungen, um Sympathie und Zustimmung für unseren 
Beitritt zu werben, unvermindert fortgesetzt werden. Vor 
allem muß vermieden werden, Handlungen zu setzen, die 
Österreich neue Gegnerschaft zum Beitrittsansuchen schaf­
fen könnten, so schwierig dies in der höchst angespannten 
politischen Situation in einigen Teilen Europas heute auch 
sein mag. Insgesamt hat sich seit dem Beitrittsantrag die 
Stimmung innerhalb der EG wohl doch zugunsten des 
Österreichischen Beitrittsantrags verbessert. Dies kommt in 
der zusammenfassenden Beurteilung der jetzt vorliegenden 
Kommissionsstellungnahme (Avis) zum Ausdruck: 
"Der Beitritt Österreichs wäre für die Gemeinschaft glo­
bal ein Gewinn, denn damit würde sich der Kreis jener Län­
der erweitern, di.e über genügende Leistungskraft in den 
Bereichen Wirtschaft, Währung und Haushalt verfügen, um 
die Wirtschafts- und Währungsunion rasch voranzubrin­
gen. Der Gemeinschaft werden ferner die Erfahrungen ei­
nes Landes zum Vorteil gereichen, das wie Österreich auf­
grund seiner geographischen Lage, seiner Vergangenheit 
und der ererbten und neu hinzugewonnenen Verbindungen 
genau im Mittelpunkt des Geschehens liegt, aus dem das 
neue Europa entsteht. "  
Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ist die Kommission 
daher der Auffassung, daß die Gemeinschaft den Beitritts­
antrag Österreichs annehmen sollte. 
Die einzige wirkliche ökonomische Klippe auf dem Weg 
Österreichs in die EG ist die Frage des Gütertransportes 
durch die Alpenregionen. In einem Punkt trifft der Avis ei­
ne klare Festlegung, die auch von österreichischer Seite 
ernst genommen werden muß; nämlich, "daß Österreich im 
Falle eines Beitritts seine restriktive Politik im Bereich des 
innergemeinschaftlichen Straßenverkehrs aufgeben und 
den Besitzstand der Gemeinschaft übernehmen müßte. 
Die Kommission weist insbesondere darauf hin, daß in ei­
nem Binnenmarkt der Begriff des "Transit"-Verkehrs seine 
Bedeutung verliert, ähnlich wie man ja auch nicht in Nie­
der- und Oberösterreich von Transitverkehr bei einem 
Transport von Salzburg nach Wien spricht. Wenn man da-
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