Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1992 Heft 2 (2)

Wirtschaft und Gesellschaft mit Keynes die 1 5-Stunden-Woche langfristig für nicht unrealistisch hält, für Bildungsanstrengungen, damit die Menschen in die Lage versetzt werden, sich von vorhandenen Bevormundun­ gen zu befreien, und gegen weitere Marketingausgaben, da diese wün­ schenswerte Sättigungstendenzen unnötigerweise weiter hinausschie­ ben. Leider bleibt der Autor hinsicht­ lich der Umsetzung dieser Forderun­ gen, die bei ihm eher Empfeh­ lungscharakter haben - wie er auch selber zugibt - recht allgemein und va­ ge. Daß ein kapitalistischer Unterneh­ mer Profite mit allen Mitteln und mit den für eine "ökologische Glücksöko­ nomie" kontraproduktiven Folgen zu realisieren versucht, kann ihm kaum vorgeworfen werden. Nur an wenigen Stellen geht der Autor auf dieses grundlegende Systemproblem ein. Auch Probleme von zunehmender Ver­ machtung gesellschaftlicher und wirt­ schaftlicher Bereiche und die Durch­ setzungsmöglichkei ten interventioni­ stischer Maßnahmen des Staates blei­ ben unangesprochen. Der Autor ver­ weist zwar in diesem Zusammenhang kurz auf den Institutionalismus (S. 347), erwähnt aber nicht, daß gerade Fragen von staatlicher Intervention und Planung, von Bildung und Demo­ kratie, und vor allem das Machtpro­ blem im Zentrum der jüngeren Dis­ kussion dieser wirtschaftswissen­ schaftlichen Schule stehen, Institutio­ nalisten insofern also im Sinne Schaaffs eine Neuformulierung der Wirtschaftswissenschaften betreiben (6). Insgesamt stellt sich Schaaffs Arbeit als eine umfassende und treffende Kri­ tik an der "eindimensionalen" , den­ noch herrschenden Wirtschaftstheorie dar. Auch wenn einige Kürzungen den Argumentationsverlauf unterstützt hätten (so ist etwa das Kapitel über Details technischer Entwicklungen im Mittelalter ohne ersichtliche Relevanz für das Thema [S. 140-172] , und auch die langen und häufigen Zusammen- 1 8. Jahrgang (1 992), Heft 2 fassungen wirken zum Teil etwas er­ müdend), bietet die vorliegende Ab­ handlung dem ökonomischen Laien ei­ nen gut lesbaren Einblick in die Pro­ bleme der Disziplin, dem Ökonomie­ studenten die Möglichkeit zu erfahren, was er während seines Studiums nicht lernt, aber eigentlich lernen müßte und dem Wirtschaftswissenschaftler Anlaß, seine Arbeit und seinen Stand­ punkt zu überdenken. Norbert Reuter Anmerkungen (1) Vgl. Gall, L. L. , Menschenfreundliche Blätter oder praktische Beiträge zur Volksbeglückungslehre, gesammelt im Gebiete der neuesten Literatur des Aus­ landes und deutsch, in zwanglosen Heften. 1. Heft: Kirckhoffs Denkschrift über die Wohltätigkeits-Colonien zu Frederiks-Oort und Wertel (Trier 1828). (2) Tatarkiewicz, W., Über das Glück (Stuttgart 1984) 2 1 . (3) Bardelle, F . , Ansätze zu einer histo­ risch-ökologischen Betrachtung der Frühgeschichte und der Antike, in: Pro­ kla 18/72 (1988) 143. (4) Vgl. dazu insbesondere Lower, M. D., The Concept of Technology Within the Institutionalist Perspektive, in: Journal of Economic Issues 2 1 (1987) 1 147-1176 . (5 ) Clarence E. Ayres, zu Lebzeiten einer der bedeutendsten Vertreter des Insti­ tutionalismus, hatte bereits 1 944 be­ tont: "Economics is nothing if it is not a science of value." Ayres, C. E., The Theory of Economic Progress (N ew York 1944) 208. (6) Vgl. Reuter, N., Kapitalistische Ent­ wicklung und Demokratie. Zur Not­ wendigkeit demokratischer Wirt­ schaftsplanung aus dem Blickwinkel der ökonomischen Schule des "ameri­ kanischen Institutionalismus" , in: So­ zialismus 10 (1991) 41-45 . 253

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