Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1993 Heft 4 (4)

1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft 
sehen und technisch-organisatorischen Strukturen auch in 
der Österreichischen Sozialpartnerschaft laufende Anpassun­
gen an neue Rahmenbedingungen vorzunehmen sind, und 
zwar nicht im nachhinein und korrigierend, sondern zu­
kunftsorientiert. Die Zielrichtung, die die Funktionsfähigkeit 
der Sozialpartnerschaft auch in Zukunft gewährleisten kann, 
charakterisiert Franz Traxler als Übergang vom Nachfrage­
zum Angebotskorporatismus (z.B. in Talos [Hrsg.] , Sozialpart­
nerschaft - Kontinuität und Wandel eines Modells, Wien 
1993).  An die Stelle der makroökonomischen Nachfragesteue­
rung muß das Bemühen treten, die Schaffung von Strukturen 
zu erleichtern, die die Position der Österreichischen Wirtschaft 
im internationalen Wettbewerb stärken. 
Wenn auch in der Öffentlichkeit nach wie vor das Bild der 
Sozialpartnerschaft oft durch ein beharrendes Element, durch 
Bewahren des Erreichten und durch das Denken in traditio­
nellen Mustern geprägt sein mag: Überlegungen bezüglich der 
offensiven Anpassung an neue Herausforderungen sind -
wenn vielleicht auch noch nicht in ausreichendem Ausmaß -
permanenter Bestandteil ihres strategischen Denkens und ih­
rer Arbeit. Der Wille und die Bereitschaft, sich flexibel an 
neuen Anforderungen zu orientieren, ist im bereits zitierten 
Sozialpartnerübereinkommen vom November 1992 dokumen­
tiert, in welchem neben der Betonung des Willens zur Auf­
rechterhaltung der grundsätzlichen bisherigen Form der Zu­
sammenarbeit und dem traditionellen Zielkatalog wie Steige­
rung des Volkseinkommens, Vollbeschäftigung und Preissta­
bilität durch Einkommens- und Währungspolitik besonders 
Maßnahmen zur möglichst reibungslosen Eingliederung der 
Österreichischen Volkswirtschaft in die internationale Ar­
beitsteilung sowie zur Verbesserung der Wettbewerbsfähig­
keit durch Steigerung des Investitionsniveaus, der For­
schungsanstrengungen, der Qualitätsverbesserung hervorge­
hoben werden. Auch Fragen der Ausbildung und Qualifikati­
on, der Umweltverträglichkeit und der menschengerechten 
Gestaltung der Arbeitswelt werden in diesem Übereinkom­
men behandelt . 
Daß dies nicht nur den Charakter einer Sonntagsrede hat, 
sondern auch in der Praxis umgesetzt werden soll, läßt sich et­
wa an der Art des Herangehens des Beirats für Wirtschafts­
und Sozialfragen der Paritätischen Kommission an das The­
ma "Industriepolitik" im Laufe der letzten drei Jahrzehnte 
dokumentieren, die den schrittweisen Wechsel von einer nach­
frage- zu einer eher angebotskorporatistischen Einstellung 
belegen. In den sechziger Jahren suchte man Wachstumssek­
toren mittels ökonometrischer Modelle; in der Folge beschäf­
tigte man sich mit Fremdfinanzierung und Förderung; die 
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