Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1993 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 
Güter, sondern auch Bündel von Rech­
ten, die sich auf diese Güter beziehen), 
teilt Nutzen und Kosten wirtschaftli­
cher Aktivitäten zu (2). Daher bestim­
men die Eigentumsrechte jene positi­
ven und negativen Anreize, welche die 
wirtschaftlichen Entscheidungen von 
Individuen und Kollektiven leiten. Be­
standteile dieser Rechtsordnung sind 
ausschlaggebend u. a. für die Realisie­
rung von Skalenerträgen (Kapitalge­
sellschaften), die Bemühungen um 
technisch-organisatorischen Fort­
schritt (Patentrecht), die Effizienz von 
Faktormärkten (Regeln des Arbeits­
marktes: Sklaverei, Leibeigenschaft, 
freie Lohnarbeit, Kollektivverträge), 
die Verringerung von Marktunvoll­
kommenheiten (Versicherung) . 
Im Verein mit der eingesetzten 
Technik bestimmen die Institutionen 
nicht nur die Transaktions- und Pro­
duktionskosten, sondern, ganz allge­
mein ausgedrückt, die Chancen, die ei­
ne Gesellschaft bietet. Jedem spezifi­
schen Institutionsrahmen entspricht 
eine bestimme Menge von Entschei­
dungsmöglichkeiten. Organisationen 
(öffentliche Körperschaften, Verbän­
de, politische Parteien, Unternehmun­
gen etc.) werden geschaffen, um solche 
Chancen nützen zu können. Diesen 
Organisationen stehen prinzipiell zwei 
Wege offen, um ihre (wirtschaftlichen, 
politischen) Gewinne zu maximieren: 
Sie können dies entweder innerhalb 
der gegebenen Menge von Beschrän­
kungen (durch "Learning by doing" 
und Investitionen in gewinnträchtige 
Arten von Fertigkeiten und Wissen) 
oder durch Aufwendung von Ressour­
cen auf die Veränderung der institu­
tionellen Beschränkungen tun. Zwi­
schen Institutionen und Organisatio­
nen bestehen also fortdauernde Wech­
selwirkungen. 
Technischer und organisatorischer 
Fortschritt, insbesondere auch Inno­
vationen in der Militärtechnik, Wand­
lungen in der Ressourcenausstattung 
(z. B. Entdeckung von Rohstoffvor­
kommen, Bevölkerungswachstum), in 
604 
1 9. Jahrgang (1993), Heft 4 
der Produktnachfrage und Erweite­
rungen der Märkte führen zu Verände­
rungen relativer Preise. Diese eröffnen 
Organisationen neue Möglichkeiten, 
ändern die Kosten-Nutzen-Relationen 
verschiedener Aktivitäten. Nachfrage 
nach Umgestaltung der Eigentums­
rechtsstruktur im Gefolge derartiger 
Entwicklungen entsteht dann, wenn 
Akteure potentielle Gewinne aus Akti­
vitäten unter den bestehenden Eigen­
tumsrechten nicht realisieren können. 
Inwieweit es zu Änderungen der in­
stitutionellen Gegebenheiten kommt 
und welche Regeln modifiziert wer­
den, hängt vom Informationsstand der 
Handelnden, von den subjektiven Mo­
dellen, welche diese von der Wirklich­
keit haben, von der Höhe der anfallen­
den Transaktionskosten und von der 
Verhandlungsmacht der Akteure ab. 
Kriege, Revolutionen, Eroberungen 
und Naturkatastrophen sind Ursachen 
diskontinuierlichen institutionellen 
Wandels. Aber überwiegend geht insti­
tutioneller Wandel in kleinen Schritten 
vor sich. Eine Vielzahl geringer Ände­
rungen der formlosen und formgebun­
denen Beschränkungen bewirkt eine 
allmähliche Umgestaltung des institu­
tionellen Rahmens. Langfristiger wirt­
schaftlicher Wandel ist somit eine ku­
mulative Folge unzähliger kurzfristi­
ger Entscheidungen politischer und 
wirtschaftlicher Unternehmer. 
Erklärungsbedürftig ist das Überle­
ben ineffizienter Institutionen, wel­
ches historisch den Regelfall darstellt. 
Effizient aus der Sicht der Gesamt­
wohlfahrt sind Eigentumsrechte dann, 
wenn sie so vollständig spezifiziert 
sind und durchgesetzt werden, daß 
private und soziale Erträge überein­
stimmen, also keine Externalitäten be­
stehen (3). In der Realität müssen Ei­
gentumsrechte immer in gewissem 
Grade unvollständig sein infolge der 
Kosten, die mit der Festlegung und 
Durchsetzung derselben verbunden 
sind. 
Der Verlauf des institutionellen 
Wandels wird bestimmt durch zuneh-
        

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