Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1993 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 1 9. Jahrgang (1 993), Heft 4 
e Im Falle monopolistischer Konkurrenz können auch einzelne Unter­
nehmungen die Lohnerhöhungen teilweise auf die Preise überwälzen. 
Lohnsetzung auf Betriebsebene schneidet daher im Hinblick auf die 
Beschäftigung schlechter ab als Zentralisierung. 
e Die bisher getroffene Annahme einer geschlossenen Wirtschaft ist un­
realistisch. In einer offenen Wirtschaft mit vollständiger Konkurrenz 
fallen bei zentralisierter Lohnsetzung realer Konsumlohn und Pro­
duktreallohn auseinander, da im Gefolge einer Lohnerhöhung der re­
lative Preis der Inlandsgüter gegenüber den Importpreisen steigt. Der 
Anreiz für gemäßigte Lohnforderungen ist somit geringer als bei de­
zentraler Lohnbestimmung. Der "buckelförmige" Zusammenhang be­
steht auch in einer offenen Wirtschaft, solange in- und ausländische 
Produkte nicht perfekte Substitute sind, die Kurve verläuft allerdings 
flacher als in einer geschlossenen Wirtschaft. 
e Unterstellt man eine offene Wirtschaft mit monopolistischer Konkur­
renz, so ist unklar, ob Zentralisierung oder Dezentralisierung hin­
sichtlich der Beschäftigungsentwicklung günstiger ist. 
Außer der bislang ausschließlich berücksichtigten Verbraucherpreis­
Externalität (d.h. eine Lohnerhöhung in einer Branche trägt zum An­
stieg des allgemeinen Preisniveaus bei, woraus reale Einkommensein­
bußen für alle nicht betroffenen Arbeitnehmer - und Kapitalbesitzer -
resultieren) tritt bei fehlender Kooperation der Gewerkschaften bzw. der 
Arbeitgeber eine Reihe weiterer negativer externer Effekte zutage (2): 
e Inputpreis-Externalität: Lohnerhöhungen, die steigende Inputpreise 
in anderen Branchen auslösen, führen dort zu geringerer Produktion 
und Beschäftigung. 
e Arbeitslosigkeits-Externalität: Höhere Arbeitslosigkeit infolge einer 
Reallohnanhebung beeinträchtigt überall die Chancen der bereits Ar­
beitslosen, eine neue Stelle zu finden. 
e Fiskalische Externalität: Hat eine Reallohnerhöhung in einer Branche 
höhere Arbeitslosigkeit auf diesem Teilarbeitsmarkt zur Folge und 
werden die Kosten der Arbeitslosenversicherung durch generelle 
Steuern oder Abgaben finanziert, so unterliegt die übrige Wirtschaft 
einer negativen fiskalischen Externalität. 
e Effizienzlohn-Externalität: Hängen die Motivation und die Arbeitslei­
stung der Beschäftigten von ihren relativen Löhnen ab, so hat eine 
Lohnerhöhung in einem Bereich negative Konsequenzen auf den Ar­
beitseinsatz aller nicht begünstigten Arbeitskräfte. 
e Lohnhierarchie-Externalität: Realistischerweise ist davon auszuge­
hen, daß Gewerkschaftsmitglieder den Nutzen, der ihnen aus der Zah­
lung des Mitgliedsbeitrags zufließt, auch an ihren relativen Löhnen 
ermessen. Jede Lohnerhöhung verschlechtert die Position der nicht 
begünstigten Arbeitnehmer in der Lohnhierarchie. Dies erhöht die 
Gefahr von " leap-frogging ". 
Zentralisierte Lohnverhandlungen ermöglichen die Internalisierung 
der genannten negativen Externalitäten. Werden lediglich letztere in Be­
tracht gezogen, so ergibt sich ein monoton fallender Zusammenhang 
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