Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1994 Heft 4 (4)

20. Jahrgang (1994), Heft 4 Thema eingehen. Daß wir uns nicht mit der Ideologie Reagans befassen, hängt allerdings tatsächlich mit der Auswahl der Länder zusammen. Die USA sind nicht Gegenstand unseres Vergleiches. Daß es Leistungsverbesserungen gab, steht - von Schwarz nicht zur Kenntnis genommen - auch in unse­ rem Beitrag. Wenn er allerdings von "massiven Leistungsverbesserungen zugunsten von Personen mit niedrige­ rem Einkommen, die Versicherungs­ lücken aufzuweisen haben" , spricht und in unserem Beitrag eine dahinge­ hende Quantifizierung und Bewer­ tung der Pensionsreformen vermißt, so möchten wir seine ebensowenig konkreten Ausführungen (S. 432) doch um einige Details zur behaupte­ ten Massivität von Leistungsverbesse­ rungen bereichern: Betreffend Kin­ dererziehungsanrechnungszeit sind nach Berechnungen des Hauptverban­ des 1993 knapp 200 Pensionen auf­ grund der neuen Bestimmungen ange­ fallen. Die "Ausweitung der Ersatz­ zeitenqualität von Zeiten der Er­ werbslosigkeit für Personen mit ge­ ringem Familieneinkommen" betraf (laut Arbeitsmarktdaten) im Mai 1994 465 Männer und 204 Frauen. Zu der auch von Schwarz weiters angeführ­ ten Entwicklung der Ausgleichszu­ lagenrichtsätze ist zu vermerken, daß diese vor allem Witwen und Männern mit Eigenpension zugute kommt, während Frauen mit eigener Pension nur wenig davon profitieren (siehe Ta­ los/Wörister, Soziale Sicherung im Sozialstaat Österreich, Baden-Baden 1994, S. 2 16). Die Regelungen der Pensionsreform 1993 haben zu Minde­ rungen in den Bemessungsgrundlagen geführt, betroffen davon vor allem Personen mit Invaliditätspensionen (siehe a. a. 0. S. 182) . Hinsichtlich "Pensionsleistungsni­ veau" haben wir nicht das Sinken be­ klagt - wie Schwarz behauptet -, son­ dern es verabsäumt, geschlechtsspezi­ fisch zu differenzieren: Denn vom Sin- Wirtschaft und Gesellschaft ken des Pensionsleistungsniveaus im Zeitraum 1984 bis 1987 (nicht bloß 1986) waren Frauen betroffen. In die­ ser Zeit sank die durchschnittliche Al­ terspension der Frauen (Unselbständi­ ge, Neuzugänge) um 5,3 Prozent, gleichzeitig stiegen die entsprechen­ den Männerpensionen um 12 ,4 Pro­ zent. Der Preisanstieg betrug in dieser Zeit im Durchschnitt 6,4 Prozent. Schwarz' Feststellung, daß jene "Maßnahmen, bei denen das V ersiche­ rungsprinzip verstärkt wurde (Studi­ enzeitenanrechnung) , bewußt höhere Einkommensgruppen" (S. 432) betref­ fen, ist einseitig. Denn von der Beseiti­ gung des Grundbetrages und der Ver­ längerung des Bemessungszeitraumes waren schon bisher benachteiligte Gruppen wie Frauen { 1984) und Inva­ lide {1987 und 1993) betroffen. Wird der Zeitraum berücksichtigt, auf den unser Beitrag im wesentlichen Bezug nimmt, nämlich die Jahre 1982 bis 1992, dann ergibt sich für die neu­ zugegangenen Direktpensionen bei Unselbständigen folgendes Bild: Bei einer Preissteigerung von 35 Prozent verzeichneten die Männer einen An­ stieg von 4 1 Prozent, die Frauen hin­ gegen von nur 28 Prozent. Würden auch ausländische Teilpensionen berücksichtigt, so wäre der Unter- schied noch größer. · Die von Schwarz vermißten Belege für das gestiegene Verarmungsrisiko finden sich für die Mitgliedsstaaten der EU etwa bei Room/Henningsen, Neue Armut in der Europäischen Ge­ meinschaft, Frankfurt 1990, und für Deutschland z. B. bei Hauser/Hübin­ ger, Arme unter uns, Freiburg 1993. Unabhängig davon, daß in der näch­ sten Zeit möglicherweise die Einbezie­ hung der geringfügig Beschäftigten mehr als bisher auf der sozialpoliti­ schen Agenda stehen könnte, ist Schwarz' Hinweis auf einen damit verbundenen wahrscheinlichen An­ stieg von Schwarzarbeit zu hinterfra­ gen: welchen großen Unterschied in sozialrechtlicher Hinsicht macht es 591

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