Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft 
e Der Schwerpunkt traditioneller Re­
gionalpolitik, die Infrastrukturför­
derung, stößt zunehmend an Gren­
zen und wirkt teilweise sogar kon­
traproduktiv, weil sie in kleinen Re­
gionen erhöhte räumliche Mobilität 
besonders qualifizierter einheimi­
scher Arbeitskräfte hervorruft und 
dadurch Entleerungs- und Ausblu­
tungseffekte wirtschaftsschwacher 
Regionen auslöst. 
e Die bundesstaatliche Sektoralpoli­
tik im Verkehrs-,  Landwirtschafts­
und Tourismusbereich dominiert 
sowohl von der Ressourcenausstat­
tung her wie auch von den politi­
schen Möglichkeiten der an sich po­
sitiv bewerteten 54 Mikroregionen 
auf Grundlage des IHG 1 974. 
e Der Koordinationsmangel im Hin­
blick auf die Sektoralpolitiken und 
die Mißachtung der räumlichen 
Auswirkungen werden als negative 
Effekte bewertet. 
e In einigen Regionen ist die Dynamik 
zu stark von beherrschenden Füh­
rungspersönlichkeiten (z. B. Regio­
nalsekretär, Präsident der Entwick­
lungsregion) abhängig. 
Grundsätzlich werden in den Eva-
luierungsstudien die Erfolge im regio­
nalen Innovationsprozeß aber als 
überwiegend positiv eingeschätzt. So 
wurden zwischen 1979  und 1 988 in 
wirtschaftlich bedrohten Regionen 
7000 neue Arbeitsplätze geschaffen. In 
diesen Regionen waren zwischen 1 975 
und 1 985 10.000 Arbeitsplätze verlo­
ren gegangen. Die Bevölkerung dieser 
Regionen nahm im selben Zeitraum 
um etwa 5 Prozent ab. Der Abbau in­
dustrieller Monostrukturen gelang 
zwar, dennoch blieb der industrielle 
Sektor anfällig. 
Andere positive Wirkungen der Re­
gionalförderung sind Einkommens-, 
Beschäftigungs- und Infrastrukturef­
fekte, die regionale Disparitäten ver­
minderten, weil sie zum Ausbau touri­
stischer Infrastrukturen beitrugen 
(vgl. Frey 1985,  ROREP 1992) .  Da­
durch entstanden Anreizwirkungen 
200 
21.  Jahrgang (1995), Heft 1 
für zusätzliche private Investitionen 
und damit natürlich auch zur Schaf­
fung von neuen - wenn auch überwie­
gend wenig qualifizierten - Arbeits­
plätzen. 
Zahlreiche Regionalsekretäre konn­
ten wirksame animatorisehe Aktivitä­
ten zugunsten ihrer Regionen entfal­
ten. Voraussetzung einer Förderung 
war nämlich die Erstellung eines Ent­
wicklungskonzeptes, wodurch selbst­
verständlich auch eine Auseinander­
setzung mit Stärken und Schwächen 
der Region gefordert wurde. In Öster­
reich setzte bekanntlich die systemati­
sche Ausarbeitung von Entwicklungs­
konzepten erst mit den Vorbereitun­
gen zum EU-Beitritt ein. Die Autoren 
der Schweizer Studie messen solchen 
Lernprozessen besonderen Wert zu, 
die zu einer Stärkung regionaler Iden­
ti täten und überkommunaler Solida­
ritäten führen und auf diese Weise re­
gionale Entwicklungspotentiale frei­
setzen. 
Die Studie weist auch auf die beson­
dere Bedeutung zusätzlichen Risiko­
kapitals und damit staatlicher Finan­
zierungsbeihilfen insbesondere für 
kleinere und mittlere Unternehmen in 
wirtschaftlichen Problemregionen hin. 
Obwohl der Mitnahmeeffekt auf ein 
Drittel der Förderbeträge geschätzt 
wird, in peripheren Lagen ist er jedoch 
geringer, bleibt aus der Sicht der Au­
toren die Bedeutung von Fördermaß­
nahmen bestehen. Zugleich wird aber 
auch eine bessere Abstimmung mit an­
deren Fördermaßnahmen gefordert, 
was insgesamt die Wirksamkeit der 
Instrumente weiter erhöhen könnte. 
Eine Evaluation von Innovationsbe­
ratungen und einzelbetrieblicher För­
derungen im Jahre 1 985 ergab, daß 
trotz feststellbarer Erhöhung der Zahl 
der Arbeitsplätze die Qualifikations­
struktur keine Verbesserung im er­
wünschten Ausmaß erfahren hat. Die 
Autoren weisen auf die potentielle Ge­
fahr hin, daß Förderung technologisch 
wenig interessanter Betriebe und ar­
beitsintensiver Produktion sich für
        

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