Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 1 (1)

21 .  Jahrgang (1 995), Heft 1 Wirtschaft und Gesellschaft 
Energie und damit gleichzeitig "Umwelt" im gesamten System eine 
möglichst frühe steuerliche Erfassung der Energie, d. h. eine Ausgestal­
tung als Primärenergieabgabe. Pragmatische Konzepte, die sich mit De­
tails einer möglichen Umsetzung befassen, verweisen jedoch darauf, daß 
erhebungstechnische Gegebenheiten - vor allem die fehlende Erfaßbar­
keit von Umwandlungsverlusten bei importierten Sekundärenergieträ­
gern - für eine Verlagerung der Besteuerung auf die Stufe der Sekundär­
energie bzw. letztlich des Endverbrauchs sprechen (4). Der Vorteil einer 
durchgängig am Sekundärenergieträger anknüpfenden Endverbrauchs­
abgabe wird vor allem darin gesehen, daß sie näher am Emittenten ener­
gieinduzierter Luftschadstoffe ansetzt. Die Anreize einer Inputabgabe 
können demgegenüber durch unerwünschte Überwälzungsprozesse feh­
lerhaft ausfallen. 
Das Kriterium "Differenzierung" betrifft die Frage, ob einzelne Ener­
gieträger gleich, d. h. nach ihrem Heizwert oder Wärmegehalt (in Joule 
[J] bzw. Kilowattstunden [kWh]),  oder aber differenziert nach deren je­
weiliger "Umweltschädlichkeit" ,  d. h. je nach Knappheit des Energie­
trägers, Luftschadstoffbelastung und insbesondere C02-Gehalt, besteu­
ert werden. Korrespondierend zur energiepolitischen Prioritätenver­
schiebung in Richtung C02-Problematik reduziert sich in der aktuellen 
Energieabgabendiskussion die Frage nach der expliziten steuerlichen 
Berücksichtigung energieinduzierter Umweltbelastungen auf die Frage 
"Energieabgabe versus C02-Abgabe" .  Die C02-differenzierte Besteue­
rung nutzt den Zusammenhang, daß die Nachfrage nach fossilen Ener­
gieträgern stärker auf Preissignale reagiert als die Energienachfrage ins­
gesamt. Substitutionsprozesse zwischen Energieträgern, die einen we­
sentlichen Beitrag zur angestrebten C02-Reduktion leisten, können da­
durch verstärkt werden (5). Um die Steuer nicht beim C02-Ausstoß, son­
dern direkt auf die Menge erzeugter oder verbrauchter Energie erheben 
zu können, werden allgemein anerkannte C02-Emissionsfaktoren (kg 
C02 je Energieeinheit) als Bemessungsgrundlage herangezogen. 
Gesonderte Überlegungen sind im vorliegenden Zusammenhang be­
züglich der Einbeziehung von Elektrizität aus Wasserkraft anzustellen. 
Soll der Energieverbrauch insgesamt verringert werden, so ist hydrau­
lisch erzeugter Strom der Besteuerung zu unterwerfen. Liegt hingegen 
das primäre Ziel in der Verringerung der Schadstoffbelastung, so müßte 
die Wasserkraft angesichts der nicht vorhandenen Schadstoffbelastung 
ausgeklammert werden {6). Aus umweltpolitischer Perspektive wird ins­
gesamt eher für eine Einbeziehung der Wasserkraft plädiert. Zum einen 
werden Eingriffe in Natur- und Landschaftsbild beim Kraftwerks- und 
Leitungsbau hierfür vorgebracht. Zum anderen stellt sich auch das Pro­
blem, daß bei einer Nichtbesteuerung der Wasserkraft Strom insgesamt 
einen Wettbewerbsvorteil am Wärmemarkt zu verzeichnen hätte, so daß 
indirekt auch die Stromerzeugung auf kalorischer Basis in den Gerruß ei­
ner ungerechtfertigten Bevorzugung käme (7) .  
Die in Abbildung 1 links oben eingeordnete Variante "PEA" steht für 
die reine, undifferenzierte Heizwertbesteuerung auf Primärenergiebasis. 
49
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.