Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1995 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft 21 . Jahrgang (1 995), Heft 1 
3. Auswirkungen von Energieabgaben im Überblick 
Abbildung 2 bietet einen Analyserahmen zur Systematisierung wich­
tiger ökonomischer Effekte der Einführung einer Energieabgabe. In An­
lehnung an Bayer und Puwein (1990) bzw. Gantner (1991) kann zwischen 
Budgetwirkungen, mikro- und makroökonomischen Wirkungen unter­
schieden werden. 
Hinsichtlich der Budgetinzidenz der Abgabe geht es um die Abschät­
zung des Abgabenaufkommens sowie um Fragen der Aufkommenselasti­
zität, Aufkommensneutralität und allfälliger Zweckbindungen. Im Mit­
telpunkt der mikroökonomischen Betrachtung stehen die allokativen 
Effekte der Energieabgabe, getrennt untersucht für die drei wichtigsten 
Arten von Verbrauchern -Unternehmen (Produzenten), Haushalte (Kon­
sumenten) und Verkehr. Für alle drei Verbraucher lassen sich statische 
(vorrangig steuerinduzierte Preisänderungen) und dynamische (steuer­
bedingte Verhaltensänderungen) Wirkungen unterscheiden. Substituti­
onseffekte betreffen das Ausweichen auf einen anderen Mix der Produk­
tionsfaktoren (Energie, Kapital, Arbeit), auf umweltfreundlichere Ener­
gieträger, auf weniger energieintensiv produzierte Konsumgüter usw. , 
was im Falle der Energieabgabe ja  gerade erwünscht ist. Im Falle von 
Umweltabgaben begründen sie den sogenannten "excess benefit" oder 
Zusatznutzen im Gegensatz zum "excess burden" ,  der Zusatzlast, her­
kömmlicher Steuern. In Einzelfällen kann allerdings auch eine Energie­
abgabe unerwünschte Substitutionsprozesse nach sich ziehen (z . B. 
"Auslandstanken") .  Zu Preiseffekten kann es kommen, wenn die Steuer­
pflichtigen versuchen, via Rückwälzung auf Vorleistungslieferanten 
oder Vorwälzung auf Nachfrager die Abgabe andere tragen zu lassen. 
Einkommenseffekte schließlich beziehen sich auf die durch die Steuer 
ausgelösten Einkommens- bzw. Ertragsschmälerungen (Entzugseffekte) 
sowie die induzierten Verhaltensänderungen zu deren Einholung. In der 
makroökonomischen Sichtweise interessieren vor allem die Auswirkun­
gen der Energieabgabe auf Beschäftigung, Wachstum, Preisniveau, Ein­
kommensverteilung und internationale Wettbewerbsfähigkeit der Ge­
samtwirtschaft. 
Nachfolgend werden ausgewählte Bereiche des obigen Schemas im 
einzelnen behandelt. Überlegungen zu den Budgetwirkungen der Ener­
gieabgabe folgt eine Betrachtung der Wirkungen in den drei Verbrauchs­
sektoren (Industrie, Verkehr, Haushalte). Der Schwerpunkt liegt auf mi­
kroökonomischen Wirkungen, einzelne makroökonomische Fragen wer­
den im passenden Kontext angeschnitten. Für den "Feldversuch" wur­
den direkte, statische Effekte quantitativ ermittelt. Die Ergebnisse der 
empirischen Berechnungen für Vorarlberg werden jeweils kurz rezipiert. 
Daran anschließend erfolgt eine Behandlung der induzierten Wirkungen 
auf das Verhalten der betroffenen Akteure anhand theoretischer Argu­
mente aus der aktuellen Diskussion. 
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