Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1996 Heft 3 (3)

22. Jahrgang (1996), Heft 3 
1993 konnten 24% der Jugendlichen 
eines Altersjahrgangs eine Hochschul­
reife und weitere 9% eine Fachhoch­
schulreife nachweisen. Schulische Bil­
dung spielt demnach im gesellschaftli­
chen Bewußtsein offensichtlich eine 
zunehmende Rolle und hat beispiels­
weise auch dazu geführt, daß der An­
teil der Schülerinnen und Schüler, die 
ohne einen Hauptschulabschluß ver­
blieben, auf 6% gesenkt werden konn­
te. 
In der beruflichen Qualifizierung 
steht das duale System in Deutschland 
noch immer an zentraler Stelle. Nach 
der Abbildung 1 wurden 1993 hier 
65% der Jugendlichen ausgebildet. Je­
der zehnte von ihnen studierte an­
schließend weiter an einer Hochschule 
oder einer Fachhochschule (4). 
Der Erfolg der Bildungsexpansion 
seit den siebziger Jahren läßt sich also 
nicht leugnen. Bedauerlich ist es aber, 
daß 1993 immerhin noch 10% des Al­
tersjahrgangs ohne Berufsausbildung 
verblieben waren. 
Tabelle 1 zeigt auf der Grundlage ei­
ner Bildungsgesamtrechnung des IAB 
die Entwicklung der Zahl der Ausbil­
dungsplätze innerhalb des dualen Sy­
stems auf. Die Zahlen werden in Bezug 
gesetzt zu der gleichaltrigen Bevölke­
rung und zum entsprechenden Anteil 
der Studienanfänger (5). Die Höchst­
zahl der neuen Ausbildungsverträge 
(der Einstieg in das duale System) 
wurde im Jahr 1986 verzeichnet (An­
teil an der gleichaltrigen Bevölkerung: 
7 1 ,6%),  seitdem sind leichte Rückläufe 
festzustellen. Für diese Entwicklung 
werden unterschiedliche Ursachen 
diskutiert. Einerseits sind die Jahr­
gangsstärken rückläufig, andererseits 
haben in jüngster Zeit vor allem die 
Großbetriebe ihr Ausbildungsplatzan­
gebot reduziert (6). Im Vergleich hat 
sich der Anteil der Studienanfänger 
seit 1975 kontinuierlich erhöht (insge­
samt um 8 Prozentpunkte). 
Unter den Jugendlichen, die eine be­
rufliche Ausbildung absolvieren, hat 
Wirtschaft und Gesellschaft 
Tabelle 1:  
Anzahl der neu abgeschlossenen 
Verträge und Anteil an der 
gleichaltrigen Bevölkerung in den 
alten Ländern 1975 bis 1991 
Zahl der 
Verträge 
in Tsd. 
1 975 
1976 
1977 
1978 
1979 
1980 
1981 
1982 
1983 
1984 
1985 
1986 
1987 
1988 
1989 
1990 
1991 
462,0 
495,8 
558,4 
601,7 
640,3 
650,0 
605,6 
631 ,4 
676,7 
705,6 
697 , 1  
684,7 
645,7 
604,0 
583,7 
545,6 
539,5 
Vertrags- Vergleich: 
anteil in Studien-
Prozent anfänger 
in Prozent 
49,4 
50,6 
56,3 
57,8 
60,0 
59,4 
55 , 1  
57 ,9  
63 , 1  
67 ,2 
69 ,1  
7 1 ,6 
7 1 ,4 
70,4 
66,9 
66,5 
67 ,3  
18 ,6  
18 ,7  
18 ,0  
18 ,0  
17 ,8  
19 ,3  
2 1 ,0  
2 1 , 5  
2 1 ,7 
20,4 
19,0 
19,2 
2 1 , 1  
22,2 
23,5 
26,6 
26,7 
Quelle: Bildungsgesamtrechnung des In­
stituts für Arbeitsmarkt und Berufsfor­
schung. 
sich in den vergangenen Jahrzehnten 
der Anteil junger Frauen kontinuier­
lich erhöht. Dennoch überwiegt der 
männliche Anteil mit 59% (7). Für 
Frauen ist darüber hinaus ein einge­
schränktes Berufswahlspektrum fest­
zustellen {junge Frauen werden in ei­
ner geringeren Anzahl von Berufen 
ausgebildet als junge Männer) {8) . Die 
Ausbildungsberufe der Frauen kon­
zentrieren sich auf die freien Berufe 
(z. B. Arzthelferinnen, Rechtsanwalts­
gehilfinnen) mit jeweils 90% sowie auf 
Hauswirtschaft, Handel und öffentli­
che Dienste (zwischen 40 und 50%).  Im 
Handwerk dagegen sind unter den 
425
        

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