Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1996 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 
Auszubildenden lediglich 23% junge 
Frauen anzutreffen. 
Diese Struktur spiegelt die klassi­
sche Orientierung des dualen Systems 
an den gewerblichen Berufen des 
Handwerks wider, die vorwiegend von 
Männern ausgeübt werden. 
In den neuen Bundesländern sind 
die Frauen mit 37% unter den Auszu­
bildenden insgesamt noch geringer 
vertreten als im alten Bundesge­
biet (9). 
2. Die aktuelle Situation des Über­
gangs von der Schule in die Berufs­
ausbildung: die "erste Schwelle" 
Die beruflichen Pläne und Absich­
ten von Schülerinnen und Schülern 
der Abgangsklassen allgemeinbilden­
der Schulen werden regelmäßig vom 
Bundesinstitut für Berufsbildung un­
tersucht. Im folgenden wird auf die 
vorliegenden Ergebnisse der beiden 
jüngsten Befragungen Bezug genom­
men. Es handelt sich dabei um reprä­
sentative schriftliche Befragungen bei 
Schülerinnen und Schülern, deren po­
tentieller Übergang in eine Berufsaus­
bildung unmittelbar bevorsteht. Er­
gänzend werden ausgewählte Ergeb­
nisse aus Gruppendiskussionen mit 
Jugendlichen einbezogen, die zusätz­
lich zu den schriftlichen Erhebungen 
durchgeführt wurden, um nähere In­
formationen über die Prozesse des Be­
rufswahlverhaltens zu ermitteln (10). 
Das vorrangige Ziel der Erhebungen 
des BIBB besteht in einer Prognose des 
bevorstehenden Übergangsverhaltens 
der Schülerinnen und Schüler auf der 
Grundlage ihrer beruflichen Wünsche 
und Vorstellungen. Die Informationen 
dienen als Hilfe für weitere bildungs­
politische Planungen. Die Ergebnisse 
werden unter anderem im Berufsbil­
dungsbericht des Bundesministeriums 
für Bildung, Wissenschaft, Forschung 
und Technologie, der jährlich er­
scheint, veröffentlicht. 
426 
22. Jahrgang (1996), Heft 3 
Als zentrales Ergebnis der beiden 
jüngsten Erhebungen ist hervorzuhe­
ben, daß der Wunsch der Jugendli­
chen, eine Ausbildung im dualen Sy­
stem zu beginnen, noch immer Prio­
rität hat. Die Tabellen 2 und 3 weisen 
die geplanten Übergänge der Jugend­
lichen in Westdeutschland (Tabelle 2) 
und in Ostdeutschland (Tabelle 3) im 
einzelnen aus. 
Tabelle 2 basiert auf den ermittelten 
beruflichen Wünschen und Planungen 
von 8 .140 Befragten in Westdeutsch­
land. Hier wollten im Frühjahr 1994, 
kurz vor Ende der Schulpflicht, 55% 
der Jugendlichen eine Ausbildung im 
dualen System beginnen. Deutliche 
Unterschiede sind hier allerdings zwi­
schen den Angaben junger Frauen und 
junger Männer zu erkennen: Die poten­
tielle Übergangsquote weist eine Diffe­
renz von 2 1  Prozentpunkten aus. Der 
wesentliche Grund für die Unterschie­
de liegt in dem geschlechtsspezifischen 
Ausbildungsangebot analog zu dem 
entsprechenden Arbeitsmarkt. Die Ge­
sundheits- und Sozialberufe, zu denen 
junge Frauen verstärkt tendieren, sind 
zum großen Teil nicht im dualen Sy­
stem organisiert. Sie vermitteln jedoch 
ebenfalls vollqualifizierende Berufsab­
schlüsse und lassen sich deshalb bezüg­
lich der beabsichtigten Übergänge mit 
denen ins duale System zusammenfas­
sen. Das Ergebnis zeigt allerdings, daß 
der geschlechtsspezifische Unterschied 
so nicht kompensiert wird. Das unter­
schiedliche Ausbildungsangebot geht 
zu Lasten der Möglichkeiten junger 
Frauen. In den Absichten der Jugendli­
chen spiegelt sich diese Situation wi­
der. Ihre Pläne sind in erheblichem Maß 
von der Realität des Ausbildungsange­
botes geprägt. Dennoch geht aus der 
Tabelle ebenso hervor, daß junge Frau­
en trotz besonderer Schwierigkeiten an 
ihrer Absicht festhalten, sich ebenso 
wie junge Männer beruflich zu qualifi­
zieren. Ein größerer Anteil der 
Mädchen im Vergleich zu den Jungen 
strebt zunächst noch einen höheren all-
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.