Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1996 Heft 3 (3)

Wirtschaft und Gesellschaft 
Zwei Drittel der Schulabgängerin­
nen und Schulabgänger aus Haupt-, 
Real- und Gesamtschulen wollten 
1995 eine Lehre beginnen. Die ge­
schlechtsspezifischen Unterschiede 
sind hier noch gravierender als im We­
sten. Den Plan, im Anschluß an die 
Schule eine vollqualifizierende Aus­
bildung (duales System und vergleich­
bare Angebote) zu beginnen, hatten 
67% der befragten Mädchen und 82% 
der Jungen. Auch hier dürfte das vor­
handene Ausbildungsangebot eine we­
sentliche Rolle spielen. Die allgemein­
bildenden und teilqualifizierenden Al­
ternativen werden in vergleichbarem 
Ausmaß wie im Westen von den 
Mädchen gesucht. 
Ein deutlicher Nachteil des dualen 
Systems im Hinblick auf die berufli­
chen Möglichkeiten junger Frauen 
und junger Männer geht aus den Er­
gebnissen der Studien in beiden Lan­
desteilen Deutschlands hervor: Es ist 
noch immer primär an dem zukünfti­
gen Arbeitnehmer in gewerblich-tech­
nischen Berufen orientiert. Hier spie­
len Frauen nach wie vor eine nachran­
gige Rolle. Ihr Berufsspektrum ist 
deutlich eingeschränkter und damit 
wesentlich krisenanfälliger. In dem 
Zusammenhang trifft der Mangel an 
Ausbildungsplätzen in den neuen 
Bundesländern die jungen Frauen in 
einem noch höheren Ausmaß als die 
jungen Männer. Sollte sich allerdings 
der feststellbare Abbau an Ausbil­
dungsplätzen in den alten Bundeslän­
dern fortsetzen, so ist damit zu rech­
nen, daß auch hier der Anteil der jun­
gen Frauen, die eine vollqualifizieren­
de und existenzsichernde Ausbildung 
absolvieren können, zurückgehen 
wird. 
Festzuhalten bleibt, daß der 
Wunsch junger Frauen und Männer, 
sich beruflich zu qualifizieren, unge­
brochen ist. Die Schulabgängerbefra­
gungen bestätigen dies immer wie­
der und entsprechen damit anderen 
vorliegenden Forschungsergebnissen 
(14). 
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22. Jahrgang (1996), Heft 3 
Auf der Basis der Schulabgänger­
befragungen einschließlich der Grup­
pendiskussionen lassen sich zusam­
menfassend die folgenden Thesen bil­
den: 
- Die Berufs- oder Bildungswahl bil­
det einen wesentlichen Bestandteil 
des gesamten Sozialisationsprozes­
ses junger Menschen. 
- Die Jugendlichen streben eine bal­
dige Unabhängigkeit vom Eltern­
haus an. 
- Eine möglichst qualifizierte Berufs­
ausbildung gilt als Basis für den 
Prozeß des Erwachsenwerdens. 
- Die Aufgabe "Erwachsenwerden 
durch Arbeiten" wird als Notwen­
digkeit und Möglichkeit definiert. 
Von der Ausbildung im dualen Sy­
stem verspricht sich ein erheblicher 
Teil der jungen Menschen einen 
"sanften" Übergang ins Erwerbsle­
ben. 
- Beim Einstieg in das Arbeitsleben 
als Auszubildende ist bereits ein 
hohes Maß an Identifikation mit 
verbreiteten Arbeitstugenden wie 
Verantwortung, Fleiß, Genauigkeit, 
beruflichem Einsatz zu verzeich­
nen. 
- Gute allgemeine schulische Ab­
schlüsse werden als Grundlage für 
den Einstieg in eine Berufsausbil­
dung betrachtet, die zu einer befrie­
digenden und existenzsichernden 
Berufstätigkeit führen soll. 
- Die allgemein schwierige Arbeits­
marktlage und die Ausbildungsstel­
lensituation führen bei den Schüle­
rinnen und Schülern kaum zu Irri­
tationen in ihren beruflichen Ent­
scheidungen. 
Das folgende Kapitel befaßt sich mit 
der Integration junger Fachkräfte ins 
Berufsleben nach einer abgeschlosse­
nen Ausbildung im dualen System. 
Damit verbunden ist die Frage nach 
dem Nutzen des erworbenen Ab­
schlusses für die jungen Menschen im 
Hinblick auf das Ziel der beruflichen 
Unabhängigkeit und einer qualifizier­
ten Beschäftigung (15) .
        

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