Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1996 Heft 3 (3)

22. Jahrgang (1996), Heft 3 
wird, ist dem Rezensenten nicht er­
sichtlich. Während der "großen Koali­
tion" bis 1966 kein Beitrag gewidmet 
wurde, finden sich zwei über 1968.  Ei­
ne deskriptive Darstellung der "Poli­
tik in der Ära Kreisky" wird durch in­
struktive Aufsätze über den "sozialen 
Wandel" und den "Austrokeynesianis­
mus" ergänzt. Abhandlungen über die 
"Telefamilie" und den "Herrn Karl" 
bilden den Schluß des ersten Teiles. 
Der Abschnitt über die Zeit ab 1980 
wird eingeleitet von einer Darstellung 
über den (möglichen) Weg in die 
"Zweidrittelgesellschaft" .  Die wirt­
schaftliche Entwicklung, die Politik, 
der Rechtsextremismus, die Europäi­
sche Union, der Umbruch in Osteuro­
pa sind die weiteren Themen dieses 
Abschnitts, der von Aufsätzen über die 
Frauenpolitik, über die Berufsqualifi­
kation von Jugendlichen und den 
"Austropop" ergänzt wird. 
Der dritte Abschnitt behandelt die 
Bevölkerungsstruktur, das sich wan­
delnde Verhältnis von Arbeit und Re­
produktion, Probleme der politischen 
Partizipation, die Situation der Frau­
en, die Schul- und Hochschul- sowie 
die Kriminalpolitik der Zweiten Repu­
blik, einmal mehr die "Jugendkultur" ,  
und die Minderheiten- und Kirchen­
politik. Nach einem Plädoyer für den 
Ausbau sozialer Mindestsicherungen 
beschäftigen sich mehrere Beiträge 
mit Natur, Boden, Ökologie und Land­
schaft. Je ein Beitrag über "Skandale" 
und Denkmäler runden einen Sam-
Wirtschaft und Gesellschaft 
melband ab, der mehr Fragen auf­
wirft, als zu beantworten er in der La­
ge ist. 
Der Band spiegelt - abgesehen von ei­
nigen hervorragenden Beiträgen - auf 
weiten Strecken die Provinzialität der 
sich in sogenannter "kritischer" Selbst­
bespiegelung ergehenden Österreichi­
schen Geschichts- und Politikwissen­
schaft wider: nur wenig neue Ansätze, 
kaum tiefschürfende Betrachtungswei­
sen, sondern vielfach essayhaftes Wie­
derkäuen weiland bekannter "öko-kri­
tischer" Einschätzungen. 
Auch das vorliegende Buch gehört 
zu den wienzentrierten Elaboraten. 
Länderpolitik, Initiativen wie die 
B undesverfassungsreformbestrebun­
gen, aber auch entsprechende Wirt­
schaftsanalysen und Überlegungen zu 
den Befindlichkeiten der Menschen im 
Süden und Westen Österreichs sucht 
der Rezensent vergeblich. 
Schmerzlich fällt weiters das Fehlen 
eines Personen- und Sachregisters so­
wie eines Autorenregisters auf. 
Das Umschlagbild des vorliegenden 
Bandes mit dem Titel "Österreich 1945 
bis 1995" ziert eine Stellage mit Fern­
sehapparaten aus den siebziger Jah­
ren. Auf der Mattscheibe alter S/W­
Modelle im Einheitslook die Öster­
reichische Flagge in Farbe: Origina­
lität, Programmatik oder Realität? Die 
Autoren und Herausgeber bleiben die 
Antwort schuldig. 
Klaus-Dieter Mulley 
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