Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1996 Heft 3 (3)

22. Jahrgang (1 996), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
die Kohäsionsstaaten) unter gleichzeitiger deutlicher Steigerung der 
Transparenz der Mittelverwendung erfolgen. 
_Für die MOEL: Die Liberalisierung der Marktordnungen würde Bei­
hilfen vermeiden, die nur mit hohem zusätzlichen Aufwand für die Uni­
on zu finanzieren wären. Im Strukturbereich wäre eine angemessene Be­
teiligung der Union an sinnvollen Förderungsmaßnahmen einzuplanen. 
Für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler: Ihre Beiträge würden 
wesentlich effizienter eingesetzt und damit ein wesentlicher Beitrag zu 
einer erhöhten öffentlichen Akzeptanz der GAP geleistet. 
Für die Konsumentinnen und Konsumenten: Grundsätzlich wäre auf­
grund der durchgreifenden Liberalisierung eine Verbilligung der Le­
bensmittel zumindest in jenen Marktordnungsbereichen zu erwarten, wo 
die Produzentenpreise derzeit noch deutlich über dem Weltmarkt liegen 
(33).  Dem dürfte jedoch der Effekt gegenüberstehen, daß durch die skiz­
zierten Rahmenbedingungen (etwa Anreize zur durchgreifenden Ökolo­
gisierung der Agrarproduktion) wohl ein Großteil der Bauern auf ökolo­
gische und damit oft - betriebswirtschaftlich betrachtet - teurere Pro­
duktionsweisen umstiege und daher der genannte Verbilligungseffekt 
wohl weitgehend kompensiert würde. In einigen Fällen sind aus diesem 
Grund sogar Preissteigerungen nicht auszuschließen. 
Für die Bäuerinnen und Bauern: Der Strukturwandel würde zweifel­
los weitergehen. Dieser Effekt würde eine reformierte GAP jedoch nicht 
grundsätzlich vom bisherigen EU-Agrarsystem unterscheiden. Denn 
trotz enormer Mittel, die Jahr für Jahr in die GAP gepumpt wurden, ist 
die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe, aber auch die der Be­
schäftigten in der Landwirtschaft laufend zurückgegangen (34). In der 
heutigen EU15 betrug der Rückgang der in der Land- und Forstwirt­
schaft Beschäftigten von 1970 bis 1993 rd . 57% (35). Darüber hinaus 
haben sich durch die GAP die Einkommensunterschiede innerhalb der 
in der Landwirtschaft Tätigen erheblich vergrößert (36).  
Überdies führen Agrarsubventionen - soweit sie nicht den Charakter 
von Direktzahlungen, sondern von Preisstützungen haben - dazu, daß 
davon "Sektoren außerhalb der Landwirtschaft profitieren" (37) .  Zwar 
wurde durch die Reform der GAP aus dem Jahr 1992 den Direktzahlun­
gen ein größerer Stellenwert gegenüber den Preisstützungen eingeräumt, 
letztere gibt es aber - wenn auch in geringerem Umfang als früher - nach 
wie vor, und damit auch entsprechende Allokationswirkungen. 
Alles in allem dürfte angesichts der enormen Mittel, welche für die 
GAP Jahr für Jahr aufgewendet werden, deren Ergebnis auch aus 
agrarischer Sicht als problematisch zu bewerten sein. Dies ist wohl 
nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, daß die Verteilung der 
Agrarförderungen - auch der Direktzahlungen durch deren Bindung an 
die Fläche bzw. den Viehbestand des Betriebes - größere Betriebe be­
vorzugt und damit das Wachsen und Weichen in der Landwirtschaft 
fördert (38). 
Eine neue GAP, wie sie in diesem Beitrag skizziert wird , böte die 
Chance, die agrarische Förderungsgießkanne zur Seite zu stellen und die 
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