Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 3 (3)

23 . Jahrgang ( 1 997),  Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
markt muß aus zwei Gründen sehr vorsichtig interpretiert werden . Einer­
seits wird durch die Annahme flexibler Reallöhne bei dieser Simulation 
Arbeitslosigkeit im Modell ausgeschlossen, und andererseits verdecken 
die aggregierten Daten durchaus substantiel len Anpassungsbedarf in ein­
zelnen Branchen. Aus Platzgründen soll h ier nur das Ergebnis der Simu­
lation einer vollständigen Liberalisierung für einzelne Sektoren wiederge­
geben werden . 
So wächst d ie Beschäftigung stark in den Bereichen Schuhproduktion, 
Holz- und Holzverarbeitung, Papier und Pappe sowie nicht elektrische 
Maschinen, während sie in der Erdöl- , Möbel-, Bekleidungs- und Nahrungs­
mittelbranche sinkt (24 ). 
Durch die allgemeine Gleichgewichtsnatur d ieser Ergebnisse ist es 
schwierig einzelne Ursachen festzustel len. I nteressant ist dennoch , daß 
auch Branchen, die allgemein nicht als global isierungsbedroht gelten (wie 
die Erdölindustrie) hier als solche aufscheinen. 
3.5.2 Kritik an Kohler 
Die wesentliche Kritik an dieser Untersuchung wird bereits von Kohler 
selbst angesprochen und betrifft neben der unzureichenden Datenlage 
die Modeli ierung der europäischen Freihandelsabkommen. Gerade für 
Österreich, das den überwiegenden Teil seines Außenhandels mit Euro­
pa abwickelt, führt d ies zu sehr unterschiedlichen Resultaten,  abhängig 
von der jewei l igen Berücksichtigung d ieser Abkommen in  der Berech­
nung der Zölle. 
Der Vortei l  der g leichgewichtstheoretischen Formulierung des Modells 
wird durch die Vernachlässigung einer endogenen Modeli ierung der Ein­
kommen teilweise wieder zunichte gemacht. Obwohl dadurch reale Phä­
nomene, wie unfreiwi l lge Arbeitslosigkeit und Außenhandelsungleichge­
wichte, im Modell möglich werden, entbehrt die spezifische Modeli ierung 
über konstante Nominalgrößen dennoch einer soliden theoretischen Ba­
sis, die sonst immer als Hauptargument für al lgemeine Gleichgewichts­
modeli ierungen ins Treffen geführt wird . 
3.5.3 Breussffesche 
Die Simulationen von Breuss und Tesche sollen hier nur kurz erwähnt 
werden, da sie für unsere Fragestellungen aufgrund der durchgehenden 
Verwendung der Vol lbeschäftigungsannahme nicht geeignet sind. Dem 
Modell von Breuss und Tesche l iegt ein auf sieben Sektoren d isaggre­
giertes HO-Modell zugrunde. Jeder dieser Sektoren verwendet Arbeit und 
Kapital als primäre Produktionsfaktoren ,  sowie die aus der I nput-Output ­
Tabelle abgeleiteten Vorprodukte in fixen Einsatzproportionen. Interessant 
an diesen Simulationen ist, daß im Gegensatz zu dem von Kohler verwen­
deten Verfahren, die nichtl inearen Gleichungen numerisch gelöst werden 
ohne sie vorher zu l inearisieren. 
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