Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 3 (3)

23.  Jahrgang ( 1 997), Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
Die Untersuchung der Arbeitsmarktlage beruht auf Daten über männli­
che Beschäftigte unter 57 aus einer anonymisierten Stichprobe des Haupt­
verbandes der Sozialversicherungsträger. Diese Daten haben den Vorteil 
einer sehr detail l ierten Dokumentation des Erwerbsverlaufes, allerdings 
den Nachtei l ,  daß keine Informationen zur Arbeitszeit und zur Ausbildung 
vorhanden sind. 
Die Außenhandelsvariable wird berechnet als Änderung der Importe 
aus den osteuropäischen Ländern zwischen 1 988 und 1 994, ausgedrückt 
als Prozentsatz der Wertschöpfung des jeweil igen Sektors (25) .  Analog 
wird bei den Exporten vorgegangen.  Im Gegensatz zur OECD Studie 
werden also die importkonkurrierenden und exportkonkurrierenden Sek­
toren durch die Schätzung bestimmt. 
Die Verwendung von Preis- anstelle von Mengendaten für die Außen­
handelsvariablen war aus Datengründen nicht möglich. Preisdaten haben 
gegenüber Mengendaten den Vortei l ,  daß auch der Effekt eines verstärk­
ten Konkurrenzdrucks mit berücksichtigt wird .  Zum Beispiel , wenn eine 
Österreichische Firma zwar im gleichen Ausmaß produziert, jedoch dafür 
nur mehr geringere Preise verlangen kann,  da sonst ein Abwandern der 
Nachfrage nach Osteuropa droht. 
Beschäftigte in Sektoren deren Exporte in die osteuropäischen Länder 
gestiegen sind , hatten wie erwartet eine geringere Arbeitslosenrate. Der 
umgekehrte Effekt für Beschäftigte in Sektoren mit steigenden Importen 
aus den Oststaaten war jedoch nicht statistisch sign ifikant. 
Interessant ist jedoch, daß sobald nach einzelnen Gruppen unterschie­
den wird, beide Effekte klar zutage treten. Es zeigt sich , daß für Arbeiter, 
für Personen unter 35 und über 45, sowie für Personen mit einem Brutto­
einkommen unter 1 5.000 öS monatl ich , die negativen Effekte des Import­
wachstums wesentlich stärker sind als für die Gesamtpopulation . 
Die Größenordnung der Effekte ist allerdings nicht überwältigend . So 
schätzen die Autoren,  daß die Ausweitung des Osthandels per Saldo 
zwischen 1 0.000 und 1 5.000 zusätzl iche Arbeitsplätze geschaffen hat, 
allerd ings mit Verschiebungen zwischen den einzelnen Subgruppen am 
Arbeitsmarkt. 
Als zweite Frage wird d ie Auswirkung auf die Löhne untersucht. 
Dabei wird zwischen Personen unterschieden , welche im beobachteten 
Zeitraum die I ndustrie gewechselt haben, und jenen , die in derselben In­
dustrie gebl ieben sind. Während das durchschnittliche Nominallohn­
wachstum für beide Gruppen über d iese drei Jahre in etwa 20% betrug , 
streut der Zuwachs bei jenen , welche die I ndustrie gewechselt haben, 
wesentlich stärker. 
Stieg der Marktanteil der Importe aus Osteuropa in einer I ndustrie um 
einen Prozentpunkt, so ergab dies ceteris paribus ein um 2,9 %- (1 % pa. )  
Punkte geringeres Nominallohnwachstum für d ie  dort durchgehend Be­
schäftigten. Ein Exportanstieg nach Osteuropa erhöhte dagegen das 
Lohnwachstum nur um ca. 0.4% (0 . 1 3% pa. )  Punkte. Beschäftigte, welche 
die I ndustrie wechselten, konnten sich z.T. vor d ieser Entwicklung schüt-
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