Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 3 (3)

23 .  Jahrgang ( 1 997) ,  Heft 3 Wirtschaft und Gesellschaft 
Untersuchung weder Migration berücksichtigt wurde, noch wurden die 
Auswirkungen der Kapitalsverkehrsfreiheit betrachtet. Die Auswirkungen 
auf die Verhandlungssituation in den europäischen Arbeitsmärkten wur­
den gänzlich vernachlässigt. Dies ist um so erstaunlicher, als die Autoren 
ausgewiesene Experten der modernen Arbeitsmarkttheorie sind . 
Angesichts der von den Autoren angeführten Ungleichgewichte im Ost­
handel ,  ist es durchaus sinnvoll ,  einige empirische Fakten auch ohne aus­
gefeiltes Modell festzustellen. 
4. Schlußfolgerungen 
Eine genauere Betrachtung der Außenhandelstheorie zeigte, daß be­
ginnend beim spezifischen Faktorenmodell eine uneingeschränkt positi­
ve Beurteilung des Freihandels theoretisch nicht gerechtfertigt ist. ln al­
len Modellen , welche die Analyse von Verteilungseffekten zulassen, wird 
nur von potentiel len Wohlfahrtseffekten gesprochen. Daß d iese bedeu­
tende Einschränkung in den politischen Debatten kaum Beachtung fand, 
muß als schweres Versäumnis sowohl der Wissenschafter als auch der 
in Außenhandelsfragen bewanderten Politiker gewertet werden. 
Die neuere Außenhandelstheorie ist insofern positiv zu bewerten, als 
sie den Versuch unternimmt, Erkenntnisse der l ndustrieökonomie, der 
Wirtschaftsgeographie und teilweise der Transaktionskostenanalyse in 
die Erklärung des internationalen Güterverkehrs aufzunehmen. Angesichts 
der empirisch eher unbefriedigenden Performanz des Heckscher-Ohlin­
Modells sind dies unabdingbare Erweiterungen. Für d ie hier gestellte Frage 
besteht damit auch die Möglichkeit, in Zukunft präzisere Aussagen zu 
erlangen . Dennoch wäre es für die Wirtschaftspolitik wesentlicher, zu­
nächst das Wörtchen "potentielle", welches bereits in der älteren Außen­
handelstheorie dem Wort Wohlstandsgewinne voransteht, ernst zu neh­
men. Denn auch in den neueren Theorien kommt es nur in Ausnahmefäl­
len zu uneingeschränkten Wohlfahrtsgewinnen. 
Die empirischen Untersuchungen kommen im wesentl ichen zu dem 
Ergebnis, daß negative Auswirkungen des Außenhandels auf gering qua­
lifizierte Arbeitskräfte feststellbar sind, d iese jedoch verglichen mit dem 
technischen Fortschritt keinen allzu großen E influß haben dürften. (Zu 
einer anderen Einschätzung gelangt nur Wood . )  Die Konzentration der 
Betroffenheit auf eine kleine Gruppe, wie sie in Zweimüller-Winter-Ebner­
Aiginger festgestellt wird ,  zeigt al lerdings die Notwendigkeit von unter­
stützenden Maßnahmen für d ie betroffenen Arbeitnehmerlnnen. 
Angesichts des rasch gestiegenen Interesses an dem Zusammenhang 
von Außenhandel und Arbeitsmarkt ist sicherlich noch mit mehreren Ar­
beiten zum Thema zu rechnen. Die bisherigen Ergebnisse sollten eher 
als vorläufige Aussagen gewertet werden . Bessere Daten und ausgefeil­
tere Theorien können h ier durchaus noch signifikante Änderungen in den 
Schlußfolgerungen bewirken. 
Der von Rodrik präsentierte Ansatz scheint in  dieser Hinsicht die frucht-
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