Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1997 Heft 4 (4)

23 .  Jahrgang ( 1 99 7 ) ,  Heft 4 Wirtschaft und Gesellsch aft 
I nflation anheizen ,  Kapital von traditionellen Investitionen abziehen, das 
Wachstum verlangsamen und damit die Arbeitslosigkeit erhöhen . Ande­
rerseits argumentierten Umweltschützer, daß durch Umweltschutzin­
vestitionen sowohl die Beschäftigung stimul iert als auch die Umwelt­
situation verbessert würde. 
ln den frühen achtziger Jahren hat sich diese hitzig geführte Diskussion 
versachlicht. ln der Zwischenzeit gab es auch ein ige Untersuchungen über 
die Wechselwirkung zwischen Umweltpolitik und Beschäftigung. Im gro­
ßen und ganzen herrscht Übereinstimmung, daß zumindest kurzfristig der 
Nettobeschäftigungseffekt leicht positiv oder neutral ist (4) .  
ln den letzten Jahren ist in den meisten europäischen Ländern d ie Ar­
beitslosigkeit stark gestiegen . Das hat dazu geführt, daß die Diskussion 
über Umwelt und Beschäftigung wieder verstärkt geführt wird .  Und zwar in 
jeder erdenkl ichen Richtung: 
I ndustrie und Gewerbe fordern aufgrund der in  ihren Augen zu hohen 
Umweltschutzkosten eine generelle Pause im Umweltschutz, eine Be­
schneidung der Anrainerrechte, um Genehmigungsverfahren vermeintlich 
zu beschleunigen , und generell eine Angleichung des Österreichischen 
Umwelschutzniveaus an ein meist n iedrigeres europäisches Niveau. Bei 
Nichterfü l lung werden Beschäftigungsverluste als Rute ins Fenster ge­
stellt. 
Auf der anderen Seite bi ldet sich die schon beschriebene Koalition von 
Arbeitsmarktpolitik und Umweltpoltik 
Das Interesse an öffentl ichen Ausgaben ,  die sowohl der Umwelt als 
auch der Beschäftigung nützen, ist gestiegen . Das ist, wie oben ausge­
führt, beileibe kein neues Thema , unter dem Eindruck der gestiegenen 
Arbeitslosigkeit aber besonders attraktiv. 
ln kurzen Abständen stel len unterschiedl iche Akteure Konzepte vor, wie 
mit Umweltschutz zusätzl iche Beschäftigung geschaffen werden soll .  
Stel lvertretend sollen nur  zwei Konzepte aus der umittelbaren Vergangen­
heit erwähnt werden: 
So schlägt der Biomasseverband ein Programm vor, das 30 000 Dauer­
arbeitsplätze schaffen sol l (5). Einziger kleiner Haken an dem Be­
schäftigungswunder ist, daß zur Realisierung lnvestitionszuschüße bis zu 
80% für den Leitungsbau und die Erzeugungsanlagen nötig sind. Das 
Konzept lebt von seiner Ineffizienz. Die angesprochenen Umweltziele l ie­
ßen sich mit anderen Investitionen, die keine oder nur geringe staatl iche 
Förderung brauchen, auch erreichen . Nur ist dann der Beschäftigungs­
effekt nicht so groß. 
Auch der Linzer Ökonom Friedrich Schneider macht sich unter dem Ti­
tel "Arbeitslosigkeit und Umweltprobleme: gibt es eine gemeinsame Lö­
sung?" (6) Gedanken zur Verknüpfung von Umwelt und Arbeit. Er rechnet 
vor, daß bei I nvestitionen von 1 2  Mrd Schi l l ing p .a . ,  die durch 3 ,5 Mrd 
Schil l ing Förderung ausgelöst werden, etwa 1 5  000 Personen zusätzl ich 
Beschäftigung finden. Bei Schneider werden die Förderungen über eine 
Energiesteuer, die als Quellensteuer gestaltet werden sol l ,  finanziert. Lei-
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