Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 1 (1)

24. Jahrgang ( 1 99 8 ) , Heft 1 pulsen , den eigenen Vorteil wahrzuneh­ men und moralischen Regeln zu ent­ sprechen. Das Kapitel schl ießt mit den Sätzen : E ine Kooperation, in der einer der Beteil igten ausgenutzt wird oder die zu Lasten Dritter geht, ist ethisch n icht zu rechtfertigen. Wenn eine bestimmte Kooperation n icht im I nteresse aller Be­ teiligten ist, muß nach einer neuen Ko­ operationsform gesucht werden oder aber ein begrenzter Raum der Konkur­ renz eröffnet werden (S. 86). Um M ißverständnisse zu vermeiden, betont der Autor, daß das Paradigma der Kooperation kei nesfalls das Kon­ kurrenzparadigma einfach ablösen sol­ le. Auch wenn die Konkurrenz nicht zur universellen Handlungsnorm erhoben werden kann , g i lt doch unbestritten , daß in dem gesellschaftl ich zugewiese­ nen partikulären Handlungsbereichen der Marktwirtschaft eine Kooperation der Anbieter zu Lasten Dritter ausge­ schlossen und der Konkurrenzgrund­ satz entschieden durchgesetzt werden sollte. Dennoch beruht die Leistungsfä­ higkeit des marktwirtschaftl iehen Wett­ bewerbs darauf, daß dieser einer politi­ schen Regelung unterstellt bleibt. Im folgenden werden zwei Träger einer Kooperation im allgemeinen Interesse vorgestellt und geprüft: Staat und Zivil­ gesellschaft. Hangsbach beantwortet die Frage: " Ist der moderne Staat, wie er einer plu­ ralen Gesellschaft entspricht, dieser Aufgabe, allein und souverän eine nor­ mative Kooperation herzustellen , ge­ wachsen?" negativ. Als Begründung führt er an: Die Anziehungskraft der re­ präsentativen Demokratie auf junge Er­ wachsene hat in Deutschland ( 1 ) abge­ nommen. Zweitens hat sich die parla­ mentarische Demokratie der Bundesre­ publ ik (2) i n eine Verbändedemokratie deformiert. Drittens ist eine präzise Ar­ beitstei lung zwischen den Wirtschafts­ subjekten , d ie sich den gesetzlichen Bestimmungen und demzufolge einem rigorosen Wettbewerbsdruck unterwer- Wirtschaft und Gesellschaft fen , und den politischen Entschei­ dungsträgern, die für die Rahmenord­ nung zuständig s ind, kaum möglich (S. 92ft). Mit dem Begriff "Zivilgesellschaft" wird kein abstraktes Referenzsystem bezeichnet, sondern d ie Menge freiwil­ liger nichtstaatlicher und nichtökonomi­ scher Zusammenschlüsse, in denen sich Bürgerinnen organisieren, um sich an der öffentlichen Meinungs- und Wil­ lensbildung zu betei l igen , die gesell­ schaftl iche Öffentlichkeit zu beeinflus­ sen und für ihre I nteressen und Erfah­ rungen öffentliche Zustimmung zu fin­ den . Diese neuen sozialen Bewegun­ gen , die seit den siebziger Jahren auf­ treten , haben sich als Entstehungsorte neuer Formen der Solidarität unter ver­ änderten Bedingungen, als bedeutende Motoren gesellschaftlicher Veränderun­ gen und als markante zivilgesellschaft­ liche Akteure erwiesen. Soziale Bewe­ gungen können aus einem gemeinsa­ men Leidensdruck entstehen und eine Solidarität entstehen lassen, die n icht von oben her als Fürsorge der Starken für die Schwachen aufgebaut wird, son­ dern den kollektiven Widerstand der Benachteil igten trägt (S. 1 02). Das Kapitel endet mit der Erkenntnis, daß "eine politisch-normative Koopera­ tion , eine Kooperation im allgemeinen Interesse, ohne das Zusammenspiel kollektiver Akteure in Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft n icht vorstellbar ist" (S. 1 07). Um dieses Zusammenspiel auch ge­ währleisten zu können, müssen politi­ sche Kooperationsräume geschaffen werden. Da die Ziele und Strategien der Akteure von Leitbildern geprägt sind, gi lt es gemeinsame Leitbilder, einen Gesellschaftsvertrag, zu entwickeln. Drei politische D imensionen der zu­ künftigen Lebens- und Arbeitsnormen bilden das hervorstechende Thema des zu formu lierenden Gesellschaftsvertra­ ges: das Leistungs-, das Geschlechter­ und das Naturverhältnis (S. 1 30). 1 7 1

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