Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 1 (1)

Wirtschaft und Gesellschaft Im fünften Kapitel werden einzelne Handlungsfelder abgesteckt, in denen der Bestand an Spielregeln daraufhin überprüft werden muß, ob diese den zukunftsfähigen Leitbildern des Koope­ rationsraums entsprechen. Demgemäß müssen auch sie neu ausgehandelt werden. So werden beispielhaft vier po­ litische Kooperationsfelder (Beschäfti­ gungspakt, Generationenvertrag, Zeit­ bündnis und Währungsabkommen), die ein erhebliches Konfliktpotential enthal­ ten , erkundet (S. 149). Die vier "Wege aus der Arbeitslosig­keit'' sind unterschiedlich nachvollzieh­ bar. Der erste Weg sieht die steuerliche Entlastung des Faktor Arbeits vor und wird zur Zeit allgemein ernsthaft d isku­ tiert. Ein zweiter Weg setzt bei der prä­ ventiven Tarifpolitik an und empfiehlt den Tarifpartnern, speziell den Gewerk­ schaften , den Tariflohn in einen festen Sockelbestandteil und in einen erfolgs­ abhängigen Bestandteil zu differenzie­ ren. Weiters wird die Beteiligung der unselbständig Beschäftigten am Pro­ duktionsvermögen auf der Grundlage von Tarifverträgen und Tariffonds vor­ geschlagen . Der dritte Weg verläuft entlang dem strukturellen Umbau der Industriegesellschaft zur Dienstlei­ stungswirtschaft oder Erlebnisgesell­ schaft. Als vierten Weg sieht der Autor einen Abbau des Exportfiebers und eine Präferenz des Binnenmarkts (S. 1 63ff). Es sind auch vier Gründe, die den Kooperationsbedarf der Notenbanken mit zunehmender Globalisierung stei­ gen läßt. Erstens engt die Internationa­ lisierung der Finanzmärkte den geldpo­ litischen Handlungsspielraum für natio- 1 72 24. Jahrgang ( 1 99 8 ) , Heft 1 nale Alleingänge ein. Zweitens sind Zentralbanken heute allenfalls dann in der Lage, den Außenwert ihrer Wäh­ rung dauerhaft gegen spekulative At­ tacken zu verteidigen, wenn den Markt­ teilnehmern die Bereitschaft mehrerer Zentralbanken, den Wechselkurs kon­ zertiert zu verteidigen, glaubhaft ver­ mittelt werden kann. Drittens drohen durch die internationalen Verflechtun­ gen Krisenerscheinungen wie Banken­ zusammenbrüche und Kursstürze in ei­ nem Land viel schneller und häufiger die Finanzinstitutionen und -märkte an­ derer Länder "anzustecken". Viertens ist mit der Globalisierung der Finanz­ märkte die Gefahr gestiegen, daß Kre­ ditinstitute ihren Hauptsitz in Ländern mit einer schwach ausgebildeten Ban­ kenaufsicht und besonders geringer Regulierungsdichte suchen oder ris­ kante Transaktionen durch komplizier­ te internationale Filialstrukturen von der Aufsichtsbehörde des Konzernsit­ zes verbergen (S. 1 76ff). ln den Abschnitten "Generationen­vertrag" und "Zeitbündnis" finden sich nicht nur viele interessante Anregun­ gen, Hinweise und auch Datenmaterial , sondern auch einiges an Datenmaterial. Zum Abschluß sei auf den Preis hin­ gewiesen, denn es ist bemerkenswert, ein ökonomisches Sachbuch zu einem derart günstigen Preis erwerben zu können. Roland Marcon Anmerkungen ( 1 ) Dies gilt wohl für die meisten westlichen Industrienationen . (2) Dieser Vorwurf wird auch in anderen Staaten erhoben. -- - ---- - - ------------------ -----

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