Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 4 (4)

24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 Wirtschaft und Gesellschaft Einkommensungleichheit und Wachstum Markus Knell 1. Einleitung Arthur Okun begann seine Godkin Lectures zum Thema "Equal ity and Efficiency. The Big Tradeoff'' mit der Feststel lung: "The contrasts among American famil ies in living standards and in material wealth reflect a system of rewards and penalties that is intended to encourage effort and channel it into socially productive activity. To the extent that the system succeeds, it generates an efficient economy. But that pursuit of efficiency necessarily creates inequal ities. And hence society faces a tradeoff between equal ity and efficiency. [ . . . ] lt is, in my view, our biggest socioeconomic tradeoff, and it plagues us in dozens of d imensions of social pol icy. We can't have our cake of market efficiency and share it equally." ( 1 ) ln den fünfzehn Jahren, die d iesem Vortrag gefolgt sind , ist das Thema des "biggest socioeconomic tradeoff'' zwischen Gleichheit und Effizienz fast vollständig von der Bildfläche der ökonomischen Diskussion verschwunden. Daran waren zumindest drei Faktoren betei l igt. Erstens waren in der Theoriebildung die siebziger Jahre die Zeit, in der das Projekt der "Mikrofundierung der Makroökonomie" seinen Aufschwung erlebt hat. Ein zentraler Bestandteil jener frühen Modelle war aber die durch­ gehende Annahme eines repräsentativen Agenten , der seine Entscheidun­ gen stel lvertretend für alle Konsumenten trifft. Vertei lungsaspekte können in diesem Rahmen aber annahmegemäß nicht behandelt werden. Aus empirischer Sicht war - zweitens- die Nachkriegszeit bis Mitte der siebziger Jahre durch eine weitgehende Konstanz der funktionalen und personellen Vertei lung gekennzeichnet, wodurch sich das I nteresse der ökonomischen Profession anderen Themenbereichen zugewandt hat. (2) Zuletzt haben aber auch methodelogische bzw. politische Gründe eine Rolle gespielt. Wie Okun in obigem Zitat ausgeführt hat, besteht zwischen Gleichheit und Effizienz ein Abtauschverhältnis. Dieses kann man theore­ tisch nur berücksichtigen, indem man auf eine Soziale Wohlfahrtsfunktion 443

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