Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 4 (4)

Wirtschaft und Gesellschaft 24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 Dennoch lassen sich ähnl iche, wenngleich auch unterschiedl ich stark ausgeprägte Tendenzen zu einer Zunahme der Lohnungleichheit auch in anderen I ndustriestaaten feststel len. Für Großbritannien etwa war der Anstieg der Lohnungleichheit von 1 979 bis 1 990 vergleichbar mit demje­ nigen der USA, für Australien, Kanada und Israel lag er n iedriger, war aber immer noch sehr deutlich bemerkbar (21 ). Die Zunahme der Lohn­ ungleichheit in Frankreich, Japan, den Niederlanden, Schweden und in Finnland wiederum war kleiner, aber immer noch signifikant, und einzig für Deutschland und für Ital ien konnten empirische Studien keine Verände­ rung der Ungleichheit konstatieren. Österreich könnte aufgrund einiger weniger Studien am ehesten in d ie zweite Gruppe derjenigen Länder gereiht werden , die einen zwar nicht dramatischen, aber doch deutlichen Anstieg in der Lohnungleichheit hin­ nehmen mußten . ln einer Untersuchung der Entwicklung der jährlichen Einkünfte unselbständig Beschäftigter gelangt Gusenleitner ( 1 995) zu Er­ gebnissen, d ie darauf h indeuten , daß d ie internationalen Trends auch in Osterreich sichtbar sind. "Grundsätzl ich kann man den Zeitraum von 1 972 bis 1 991 in zwei Perioden einteilen , nämlich: 1 972-1 977: Entwicklung zur Gleichvertei lung; ab 1 977: Entwicklung zur Ungleichvertei lung." (22) Eine häufig zu hörende Auffassung besagt, daß die unterschiedliche Entwicklungsgeschwindigkeit in den USA und in Europa auf unterschied­ l iche institutionelle Rahmenbedingungen zurückzuführen ist. Während Länder mit stark deregulierten Arbeitsmärkten (USA, GB) d ie größten An­ stiege in der Lohnungleichheit zu verzeichnen hatten , konnten Länder mit stärker zentralisierten Lohnverhandlungen diese Entwicklung entweder abschwächen (Österreich , Schweden, N iederlande) oder gänzlich vermei­ den (Deutschland). 2.1.3 Lohnungleichheit vs. Einkommensungleichheit Die bislang angeführten Ergebnisse haben sich auf Entwicklungen der Lohnungleichheit und nicht der Einkommensungleichheit bezogen. Da aber das Hauptaugenmerk der vorl iegenden Studie auf Zusammenhängen zwi­ schen Einkommensverteilung und Wachstumsraten liegt, muß die Frage ge­ stellt werden, inwieweit die Einkommensverteilungen das Ausmaß und die Veränderungen der Lohnverteilung widerspiegelt. Staatl iche Umverteilungs­ maßnahmen und Transferzahlungen können ein Durchschlagen der Lohn­ verteilung auf die Einkommensverteilung verhindem bzw. abmildern. (23) Tatsächlich sind in allen OECD-Staaten die verfügbaren Haushaltsein­ kommen nach Steuern und Transfers gleicher verteilt als die Marktein­ kommen (24 ). Ebenso sind auch d ie Zuwächse in der Einkommens­ ungleichheit in den achtziger und neunziger Jahre schwächer ausgefallen als die Zuwächse in der Lohnungleichheit, wobei sich auch hier große in­ ternationale Unterschiede zeigen. Abermals sind d ie größten Zuwächse in der Einkommensungleichheit in den USA und in Großbritannien festzu­ stellen , gefolgt von Dänemark, Belgien und den Niederlanden. l n Frank- 448

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