Full text: Wirtschaft und Gesellschaft - 1998 Heft 4 (4)

24. Jahrgang ( 1 998), Heft 4 
claims to be, does it have the potential 
of replacing the stagnating neoclassical 
paradigm, or will the appeal of mathe­
matical rigour also prove too strong for 
future generations of economists? Will 
the role of the Austrian approach 
remain confined to playing the devi l 's 
advocate to a mainstream science 
which continues to build on neoclassi­
cal foundations? The onus l ies on the 
Austri an economists. lf their economics 
is truly an 'extraordinary' science ready 
to supplant an orthodox economics 'at 
the point of breakdown', it must prove 
that it provides a better insight into the 
functioning of a real-life market econo­
my. ln the recent past the neo-Marxist 
paradigm failed to oust neoclassical or­
thodoxy because it could not provide a 
realistic and fruitful body of theory that 
was convincing to the majority of the 
profession. lt therefore got trapped into 
repetitive exegeses of 'what Marx real­
ly meant'. There is a similar danger fa­
cing Austrian economists; of rehash ing 
the theories of their 'classics' instead of 
breaking new ground on the basis of 
their distinctive concepts." (S. 1 6) 
Die vorliegende Arbeit vermag sich 
freil ich auch n icht vollkommen dieser 
Gefahr der "Ahnenforschung" zu ent­
ziehen .  Das gi lt freil ich n icht für den 
Beitrag von Yeager (,Austrian Themes 
in a Reconstructed Macroeconomics'), 
der sich bemüht, die zentralen Beiträge 
dieser Schule zur aktuellen national­
ökonomischen Debatte herauszuarbei­
ten .  Da stehen an der Spitze die Über­
legungen zur wirtschaftlichen Koordina­
tion. Die ÖSN betont den disaggregier­
ten Charakter der wirtschaftlichen Akti­
vität, die zahllosen Elemente, welche 
die Entscheidung der Wirtschaftssub­
jekte beeinflussen. Wohl vermitteln die 
Preise letztlich die wichtigsten Informa­
tionen, doch werden diese weder im­
mer sofort erkannt, noch kommt es zu 
prompten Reaktionen. Andererseits 
können sie wieder zu neuen Dispositio­
nen führen, so daß der Marktprozeß 
Wirtschaft und Gesellschaft 
zwar stets zu einem Gleichgewicht ten­
diert, doch dieses praktisch nie erreicht. 
Die Konkurrenz wird eben als perma­
nenter, dynamischer Prozeß gesehen. 
Das heißt aber, daß in  den Österreichi­
schen Überlegungen die Zeit eine zen­
trale Rolle spielt. Wirtschaftliche An­
passungen benötigen Zeit; Beurteilun­
gen oder Verhaltensweisen ändern sich 
nur in längeren Perioden . 
Gerade letztere werden in hohem 
Maße durch Institutionen 9.eprägt. Die 
Bedeutung, welche die Osterreicher 
diesen beimaßen, geht ja besonders 
deutlich aus der Sozialismus-Debatte 
hervor. Während Lange den neoklassi­
schen Tauschprozeß völlig institutio­
nenneutral sah, stel lten die Österrei­
cher eben Institutionen und Organisa­
tionen in den Mittelpunkt ihrer Argu­
mentation. Es kann weiters n icht über­
raschen, daß aus dem weitgehend "im­
perfekten" Marktgeschehen Transakti­
onskosten erwachsen müssen, weiters 
aber läßt sich damit auch Mikro- und 
Makroökonomie verbinden, weil Frik­
tionen in den Einzelentscheidungen 
auch gesamtwirtschaftliche Reaktionen 
nach sich ziehen, etwa dadurch, daß 
temporäre Kaufzurückhaltung zu ma­
kroökonomischem Ungleichgewicht 
führen könnte. Damit gewinnt auch die 
Österreichische Geldtheorie an Bedeu­
tung, welche von der Nichtneutral ität 
des Geldes ausgeht. Yeager zitiert 
Hayek mit seiner Feststellung, daß 
Geld das "/oose joinf' zwischen den 
Entscheidungen zu Produktion und Ver­
kauf sowie dem Konsum darstellt. 
Kritisch bleibt der Autor allerdings 
gegenüber der Konjunkturtheorie ,  wie 
sie von Mises und Hayek entwickelt 
wurde. Diese präsentiert Ebeling im fol­
genden Beitrag ausführlich (,Money, 
Economic Fluctuations, Expectations 
and Period Analysis'). Auf der Kapital­
theorie Böhm-Bawerks aufbauend, 
übernahm sie von Wiekseil die Dicho­
tomie von natürlichem und Geldzins­
satz. Ersterer charakterisiert das 
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